Der Wiesen-Pippau (Crepis biennis) gehört zu den wenigen Wildblumen, um deren Bestand wir uns noch keine Sorgen machen müssen. Tatsächlich ist er auf heimischen Wiesen im Tiefland weit verbreitet und ein prägendes Element der Alpenflora von unschätzbarem ökologischen Wert. Mit seinen goldgelben, bienenfreundlichen Blüten erweckt er in naturnahen Gärten den Zauber der Alpenwiesen zum Leben. Wie Sie den Wiesen-Pippau richtig säen, pflanzen und pflegen, erfahren Sie in diesem Ratgeber.
Das Beitragsbild ist von Aah-Yeah – CC BY 2.0
Das Wichtigste kurzgefasst

Wie sieht der Wiesen Pippau aus?

Habitus von Wiesen-Pippau
Wiesen-Pippau Blütenstand
Wiesen-Pippau Blätter sehen wie Löwenzahn aus.
Der reife Fruchtstand des Wiesen-Pippau zeigt die typischen Samen mit Pappus
Bilder v.o.n.u. von DidierFy – CC BY-SA 4.0 und René Hourdry – CC BY-SA 4.0 und Stefan.lefnaer – CC BY-SA 4.0 und Krzysztof Ziarnek, Kenraiz – CC BY-SA 4.0 – alle Bilder via wikimedia commons




Zwei brennende Fragen vorab: Giftig oder heilkräftig?
Bevor wir einsteigen in die Pflanz- und Pflegeanleitung klären wir die beiden häufigsten Fragen, die Hobbygärtner bei der Kultivierung von Wiesen-Pippau umtreiben:




Ist der Wiesen-Pippau giftig?
Nein, der Wiesen-Pippau ist nicht giftig. Im Gegenteil: Er ist für Menschen und die meisten Haustiere absolut unbedenklich. Die Blätter, Knospen und Blüten sind sogar essbar.


Bild von Jon Sullivan – CC BY-NC 2.0


Vorsicht Verwechslungsgefahr! Zahlreiche Arten der Gattung Greiskräuter (Senecio) sind stark giftig und sehen dem Wiesen-Pippau (Crepis biennis) zum Verwechseln ähnlich. Hierzu gehört primär das gefürchtete Jakobs Kreuzkraut (Senecio jacobaea), von dem für Weidetiere eine tödliche Gefahr ausgeht. Aber auch das Gemeine Greiskraut (Senecio vulgaris) und das Alpen-Greiskraut (Senecio alpinus) gelten als extrem giftig. Vertiefende Informationen zu Giftpflanzen gibt eine Broschüre des saarländischen Ministeriums für Umwelt- und Klimaschutz, die Sie hier downloaden können.


Ist der Wiesen-Pippau eine Heilpflanze?
Hier muss man differenzieren. In der modernen Naturheilkunde spielt der Wiesen-Pippau eine unbedeutende Rolle. Das Wildkraut wird nicht den klassischen Heilpflanzen zugeordnet, wie Arnika (Arnica montana), Rotklee (Trifolium pratense) oder Königskerze (Verbascum).
In der historischen Volksheilkunde kam Wiesen-Pippau als Tee gelegentlich zur Anwendung bei leichten Verdauungsbeschwerden und Appetitlosigkeit. Gesicherte Erkenntnisse über die tatsächliche Heilwirkung gibt es nicht.
Wiesen Pippau Steckbrief


Bild von Neilhunt – CC BY-SA 4.0


Wiesen Pippau Standort und Boden
In seinem natürlichen Lebensraum besiedelt der Wiesen-Pippau sonnendurchflutete Fettwiesen, die nicht oder sehr selten gemäht werden, wie es auf Almwiesen Tradition ist.
Licht: Sonnige bis halbschattige Lage mit mindestens 6 Sonnenstunden am Tag.
Boden: Frisch bis feucht, durchlässig, mäßig nährstoffreich, vorzugsweise sandig-lehmig.
PH-Wert: Schwach sauer bis schwach kalkhaltig (6,0 bis 8,0), idealerweise neutraler pH-Wert um 7,0.
👉 Alpenfaktor: Je karger und ursprünglicher der Standort, desto standfester und blühfreudig entwickelt sich der Wiesen-Pippau im Garten.
Mit diesen Standortanforderungen ist der Crepis biennis hervorragend geeignet für Wildblumenwiesen und bienenfreundliche Blühstreifen vor Zäunen, Trockenmauern und Hecken.


Wiesen Pippau Aussaat
Die Samen von Wiesen-Pippau sind Lichtkeimer und Normalkeimer. Beste Zeit für die Aussaat direkt ins Beet ist von März bis Juni und von August bis Oktober.
🔹Bodenvorbereitung: Gartenboden auflockern, Unkraut jäten, Sand einarbeiten und die Erde mit dem Rechen glatt ziehen.
🔹Aussaat: Das Saatgut mit Sand strecken und breitwürfig verteilen. (1-2 g Samen pro m² reichen aus)
🔹Andrücken: Die Lichtkeimer nicht mit Erde bedecken, sondern andrücken mit einer Walze, mit Schuhbrettchen abschreiten oder mit der Schaufel festklopfen.
🔹Gießen und schützen: Die Saat befeuchten mit feiner Brause und abdecken mit dem engmaschigen mit einem Kulturschutznetz.


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Wiesen Pippau vorziehen
Weil die Direktsaat mit einem gewissen Ausfallrisiko verbunden ist, können Sie Wiesen-Pippau ab März unter Glas vorziehen. Schonend für die Pfahlwurzeln sind biologisch abbaubare Anzuchttöpfe aus Zellulose, die später mit den Jungpflanzen ins Beet eingepflanzt werden. Verwenden Sie ein mageres, lockeres Anzuchtsubstrat, wie Kokoserde. Streuen Sie einige Samen auf das Substrat und drücken sie leicht an. Damit die Lichtkeimer nicht von Erde überschwemmt werden, gießen Sie von unten, indem Sie die Anzuchttöpfe für einige Minuten in Wasser stellen. Am hellen Standort beträgt die Keimzeit bei 15-20 Grad normalerweise 14 bis 21 Tage.
💡 Der Wiesen-Pippau bildet im ersten Jahr eine wintergrüne Blattrosette, blüht im zweiten Jahr und stirbt nach der Selbstaussaat ab.


Wiesen-Pippau Pflege
💧 Wiesen-Pippau gießen
Für eine gleichmäßige Bodenfeuchte gießen Sie regelmäßig, vor allem bei sommerlicher Trockenheit. Lassen Sie das Gießwasser direkt auf die Wurzelscheibe laufen, aber vermeiden Sie Staunässe.
🍽️ Nährstoffversorgung: Wiesen-Pippau liebt es mager
Im normalen Gartenboden ist kein Düngen nötig. Wird der Boden zu nährstoffreich, wachsen zwar viele Blätter, aber kaum Blüten.
✂️ Rückschnitt: Wiesen-Pippau nur bei Bedarf schneiden
Wenn die Selbstaussaat nicht erwünscht ist, schneiden Sie den Wiesen-Pippau nach der Blütezeit zurück, damit sich keine Samen bilden. Über den Winter stirbt die zweijährige Pflanze ab und kann entsorgt werden.
❄️ Wiesen-Pippau überwintern
Wie alle heimischen, zweijährigen Wildpflanzen ist auch der Wiesen-Pippau frosthart und benötigt keinen Winterschutz.


Bild von Thomas auf Pixabay


Wiesen-Pippau kombinieren – Ideen für schöne Begleitpflanzen
Perfekte Begleiter für den Wiesen-Pippau sind Wildblumen, die ebenfalls am sonnigen bis halbschattigen Standort in frischer, mäßig nährstoffreicher Erde gedeihen und den Sonnenanbeter nicht in den Schatten stellen.
🔹Alpen-Prachtnelke (Dianthus superbus subsp. alpestri) wird 60 cm hoch und blüht mit weißen oder hellrosa Blüten von Juni bis September.
🔹Heilziest (Betonica officinalis) wird bis 80 cm hoch und blüht mit purpurrosa oder weißen Blütenähren von Juni bis September.
🔹Kleiner Wiesenknopf (Sanguisorba minor) mit einer Wuchshöhe von 30-70 cm trägt rot-braune Blütenköpfchen von Mai bis August.
🔹Am halbschattigen Standort bilden die weißen, duftenden Blütendolden der Süßdolde (Myrrhis odorata) einen schönen Kontrast mit den goldgelben Pippau-Blüten.
🔹Schöne Bodendecker für die Ton-in-Ton Gestaltung mit Wiesen-Pippau sind der 15-30 cm kleine Wundklee (Anthyllis vulneraria) und die 10-20 cm kleine Wiesen-Schlüsselblume (Primula veris) mit gelben Blüten von Mai bis August.


Bild von El Grafo / CC-BY-SA-3.0 (via Wikimedia)


Wiesen-Pippau vermehren
Um seinen Fortbestand im Garten kümmert sich der Wiesen-Pippau selbst, wenn Sie seine verwelkten Blüten nicht abschneiden und so die Selbstaussaat ermöglichen.
Für eine kontrollierte Aussaat ernten Sie die reifen Früchte, bevor der Wind die behaarten Samen in alle Richtungen verteilt. Lagern Sie das Saatgut dunkel und trocken, bis im nächsten Frühjahr die Aussaatzeit beginnt.


Bild von Renhour48 – gemeinfrei via wikimedia


Häufig gestellte Fragen:
Ist der Wiesen-Pippau bienenfreundlich?
Ja, der Wiesen-Pippau ist eine wertvolle Nahrungsquelle für Insekten mit dem Nektar- und Pollenwert 2/4. Von 79 Wildbienen-Arten, die seine Körbchenblüten anfliegen, haben sich 17 Arten auf seinen Pollen spezialisiert, wie die gefährdete Pippau-Sandbiene (Andrena fulvago).
Ist Wiesen Pippau winterhart?
Ja, der heimische Wiesen-Pippau ist vollkommen winterhart. Wie wir es von den zweijährigen Wildstauden kennen, überwintert er ein Mal mit seiner wintergrünen Blattrosette. Im zweiten Jahr treibt er die Stängel mit den Blütenständen aus und stirbt nach der Selbstaussaat ab.
Steht der Wiesen-Pippau unter Naturschutz?
Nein, der Wiesen-Pippau ist in Europa weit verbreitet und in seinem Bestand nicht gefährdet. Darum ist er nicht besonders geschützt. Wie alle wild wachsenden Pflanzen untersteht der Crepis biennis trotzdem dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG). Darin erlaubt die „Handstraußregel“, das Pflücken kleiner Mengen für den persönlichen Bedarf. Streng geschützte Arten dürfen weder gepflückt, noch ausgegraben oder anderweitig gestört werden.
Quellen: Wikipedia.org, Wiesen-Pippau und Bienennutzgarten.de, Wiesen-Pippau und Naturadb.de, Crepis biennis und Samendirekt.de, Wiesen-Pippau und Oekologie-Seite.de, Crepis biennis
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