
Der Blaurote Steinsame (Aegonychon purpurocaeruleum) ist der Magier unter den heimischen Wildkräutern. Im Frühling zieht er uns in seinen Bann mit einem faszinierenden Farbwechsel seiner Blüten von Purpurrot in ein tiefes Azurblau. Sein zentraler Lebensraum erstreckt sich über Süd- und Mitteleuropa. Dort gehört der Blaurote Steinsame vom Tal bis in die submontanen Höhen der Südalpen zu den schönsten Waldstauden. Die Blume des Jahres 2000 wird in der alpinen Gartengestaltung besonders geschätzt als bienenfreundlicher, pflegeleichter Bodendecker für den Halbschatten.

Das Beitragsbild ist von Stefan.lefnaer – CC BY-SA 3.0
Was braucht der Blaurote Steinsame?
🌤️ Standort: halbschattig
🌱 Boden: frisch, sommertrocken, locker-humos, normal nährstoffhaltig.
㏗ neutral bis kalkhaltig (pH-Wert 6,5 bis 8,0).
💧 Gießen bei Trockenheit.
♻️ Kompost oder Hornspäne im Frühjahr.
❄️ keinen Winterschutz.
✂️ Rückschnitt nur, wenn die Selbstaussaat unerwünscht.
Gärtnerische Fakten
✅ Blütezeit: April bis Juli mit einem Farbwechsel von purpurrot nach azurblau.
✅ Wuchshöhe: 20-50 cm.
✅ Besonderheit: Bogig niederliegende Triebe wurzeln bei Bodenkontakt, neigt zum Wuchern.
✅ Verwendung: Steingarten, Alpinum, Gehölzrand, Bienenweide, Wildblumenwiese, Schmetterlingsmagnet, Bauerngarten.
Raublattgewächse: Alpen-Vergissmeinnicht (Myosotis alpestris), Natternkopf (Echium vulgare), Bienenfreund (Phacelia)
Blauroter Steinsame Bilder
Blauroter Steinsame Blütenstand
Bild von Annette Meyer auf Pixabay


Blauroter Steinsame Steckbrief

Bild von Aidexxx – CC BY-SA 3.0
🌤️ Blauroter Steinsame Standort & Boden
In den Alpen gehört er zu den schönsten Frühlingsblühern der Bergwälder. Am wohlsten fühlt sich Blauroter Steinsame dort, wo im Frühjahr das Sonnenlicht durch die laublosen Baumkronen auf den Boden fällt und es im Sommer angenehm lichtschattig ist. Das sind seine idealen Standortbedingungen im Garten:
▪️Licht: Halbschatten; ausnahmsweise am sonnigen Platz ohne pralle Mittagssonne.
▪️Bodenbeschaffenheit: frisch (keine Staunässe!), sommertrocken, sandig-lehmig bis steinig-lehmig.
▪️PH-Wert: neutral bis kalkhaltig (pH-Wert 6,5 bis 8,0); toleriert auch schwach saure Böden.
▪️Standort-Ideen: Gehölzrand (bevorzugt), Steingarten, Alpinum, Gehölzrand, Bienenweide, Wildblumenwiese, Schmetterlingsmagnet, Bauerngarten, Trockenmauer
❌ Ungeeignete Standortbedingungen für den Purpurroten Steinsamen sind Staunässe (lässt das Rhizom verfaulen) und stark saure Böden (verursachen Kümmerwuchs). Diese problematischen Rahmenbedingungen sind wie geschaffen für alpine Spezialisten, wie Bach-Nelkenwurz (Geum rivale), Mehlprimel (Primula farinosa) und Alpen-Mannstreu (Erygium). Sonnig und sauer mag es das Kleine Habichtskraut (Hieracium pilosella).

Bodenbeschaffenheit anpassen – Tipps
Bei Bedarf können Sie die Gartenerde verbessern und so für den Blauroten Steinsamen optimieren. In nassen Boden arbeiten Sie pro qm 5 l groben Sand, feinkörnigen Splitt oder Kies ein. Sand ist zugleich der ideale Bodenhilfsstoff, um schwere, nährstoffreiche Erde abzumagern.
PH-Wert testen und regulieren
Mit Lackmuspapier (Amazon) ermitteln Sie in wenigen Sekunden den pH-Wert des Bodens. Die Zugabe von Bio-Rhododendronerde (Amazon) senkt im stark kalkhaltigen Boden einen pH-Wert >8,5 in den neutralen Bereich. Hausmittel zur Senkung des pH-Werts sind Nadelkompost, Granitmehl und Kaffeesatz. Zeigt das Lackmuspapier einen sehr sauren pH-Wert <5,0 an, arbeiten Sie den Neudorff Azet Gartenkalk (Amazon) ein.

Bild von Salicyna – CC BY-SA 4.0

Blauroter Steinsame – Kaltkeimer Aussaat
Für die Aussaat ist Geduld gefragt, denn Aegonychon purpurocaeruleum Samen sind Kaltkeimer. Die natürliche Keimhemmung ist zu überwinden durch einen Warm-Kalt-Warm Zyklus: 2-4 Wochen warm (ca.15°-20° C), gefolgt von 4-6 Wochen kalt (-5°/+5°C). In der Folgezeit sollte das Thermometer langsam ansteigen auf die Keimtemperatur von 18°-22° Grad.
📅 Kaltkeimer-Samen wann aussäen?
🔹Im Spätsommer/Herbst (Aug.-Nov.): Direktaussaat ist die einfachste Methode für einen natürlichen Kältereiz.
🔹Im Winter (Dez.-Febr.): Draußen im Anzuchttopf oder einer Saatschale.
🔹Im Frühjahr (ab März): Kältereiz durch Stratifikation.
❄️Anleitung für die Direktaussaat
1. Im Garten ein sandig-lehmiges, mageres, feinkrümeliges Saatbeet anlegen.
2. Samen (Dunkelkeimer) 1 cm tief in die Erde drücken und anfeuchten.
3. Feinmaschiges Schutznetz über dem Saatbeet befestigen.
👉 Die Keimung von Kaltkeimern kann sich über Monate hinziehen. Markieren Sie das Saatbeet mit den wetterfesten, beschreibbaren Pflanzschildchen von Kinglake (Amazon).

Bild von Armand Turpel – CC BY 2.0

Blauroten Steinsamen pflanzen – Anleitung
Nördlich der Alpen ist die beste Pflanzzeit im Frühling von April bis Mai. In milden Weinbauregionen oder auf der Südseite der Alpen ist ein zweites Zeitfenster für die Pflanzung geöffnet im Herbst von September bis Oktober.
1. Wurzeln tränken: Stellen Sie den Topfballen für einige Minuten in Wasser.
2. Bodenvorbereitung: Graben Sie den Boden spatentief um und lockern die Erde, damit das Rhizom ungehindert anwächst. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für die Zugabe von Bodenhilfsstoffen, wie Sand, Splitt oder Kies.
3. Pflanzung: Heben Sie für jede Jungpflanze eine Grube aus, die etwas größer ist, als der Wurzelballen. Den Aushub mischen Sie mit Kompost als Startdüngung. Setzen Sie den Blauroten Steinsamen genauso tief ein, wie zuvor im Anzuchttopf, drücken die Erde an und gießen durchdringend.
4. Pflanzabstand: Der richtige Pflanzabstand beträgt 30-40 cm. Für ein flächendeckendes Wachstum setzen Sie 8-10 Pflanzen je qm.
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Blauroter Steinsame Pflege – Tipps
Aufmerksame Pflege benötigt er lediglich im ersten Jahr, während der Blaurote Steinsame Wurzeln schlägt. Halten Sie den Boden konstant leicht feucht, vor allem unter Bäumen und Gehölzen. Sobald das kräftige Rhizom angewachsen ist, erweist sich das Alpenkraut bemerkenswert trockenheits- und wurzeldruckverträglich. Nur Staunässe verträgt verträgt die Wildstaude nicht.
🔹Gießen nur bei Bedarf
Für die Wasserversorgung reicht zumeist . Nur bei längerer Trockenheit gießen Sie Blaurote Steinsamen durchdringend und lassen bis zur nächsten Wassergabe die Erde gut trocknen.
🔹Sparsam düngen
Eine Portion Kompost, Hornspäne oder Compo Bio-Langzeitdünger (Amazon) fördert im Frühjahr den Austrieb. Weitere Düngergaben benötigt der Blaurote Steinsame nicht.
🔹Rückschnitt nicht nötig
Purpurrote Steinsamen muss man nicht unbedingt schneiden. Ein Rückschnitt der verwelkten Blütenstände kommt nur infrage, wenn die Selbstaussaat verhindert werden soll.
🔹Winterschutz nur für Kübelpflanzen
Wie alle heimischen Alpenkräuter, ist auch der Blaurote Steinsame winterhart. Lediglich in winterrauen Regionen der Winterhärtezonen Z5 und Z4 wird eine Abdeckung mit Reisig oder Vlies empfohlen.
Blauroten Steinsamen vermehren
Für die Selbstaussaat als einfachste Vermehrungsmethode lassen Sie der Natur einfach freie Hand und schneiden die verwelkten Blüten nicht ab. Die reifen, steinharten Samen fallen zu Boden und breiten sich als Rollfrüchte im Garten aus. Für eine kontrollierte Aussaat ernten Sie im Herbst die kugeligen Samen, bevor sie abfallen. Säen Sie die Kaltkeimer am gewünschten Standort aus, damit sie im Verlauf des Winters den natürlichen Frostreiz erleben.
Teilung ist bei Hobbygärtnern beliebt für die vegetative Vermehrung. Hierzu ist es nicht nötig, den gesamten Blauroten Steinsamen auszugraben. Stechen Sie einfach ein 10-15 cm langes Stück eines Ausläufers ab und heben es mit seinen Feinwurzeln aus der Erde. Am neuen Standort pflanzen Sie den Ableger zeitnah wieder ein und halten die Erde kontinuierlich leicht feucht.

Bild von Thiotrix – CC BY-SA 4.0
🤝 Gute Nachbarn für den Blauroten Steinsamen
Als dominanter Bodendecker braucht der Blaurote Steinsame robuste Pflanzpartner, die sich nicht von seinen Ausläufern überwuchern und verdrängen lassen. Einige der schönsten heimischen Alpenpflanzen stelle ich Ihnen im Folgenden kurz vor:
- Gelber Fingerhut (Digitalis lutea): Das sanfte Gelb seiner Blüten erzeugt einen dekorativen Komplementärkontrast zum tiefen Azurblau – ein absoluter Hingucker im Halbschatten. Doch Vorsicht: stark giftig!
- Wohlriechende Weißwurz (Polygonatum odoratum) verzaubert mit duftenden, cremeweißen Blüten von Mai bis Juni, während sie sich mit ihren soliden Rhizomen vom Blauroten Steinsamen nicht verdrängen lässt.
- Die Berg-Flockenblume (Centaurea montana) setzt eindrucksvolle Akzente mit tiefblauen, fransigen Blüten von Mai bis August.
- Einer zarten Alpen-Akelei (Aquilegia alpina) mit ihren kunstvollen Blüten ist nicht anzusehen, dass sie sich mit kräftigen Rhizomen der Dominanz von Steinsamen zu erwehren vermag.

Grüner-Daumen-Expertentipp: Pflanzen Sie zuerst die Pflanzpartner und erst zwei bis drei Jahre später den Blauroten Steinsamen. Dieser gärtnerische Kniff reduziert den Verdrängungseffekt, weil sich weniger dominante Nachbarn in Ruhe den Standort erschließen können.

Bild von Aidexxx – CC BY-SA 3.0
Häufig gestellte Fragen
Ist der Blaurote Steinsame bienenfreundlich?
Ja, der Blaurote Steinsame (Aegonychon purpurocaeruleum) ist eine wichtige Nahrungsquelle für Wildbienen, Hummeln und Schmetterlinge. Mit seinen langröhrigen Blütentrichtern ist er vor allem für langrüsselige Insekten geeignet, wie die seltene Beinwell-Sandbiene (Andrena symphyti), die sich auf Beinwell und andere verwandte Raublattgewächse spezialisiert hat.
Ist der Blaurote Steinsame giftig?
Ja, der Blaurote Steinsame gilt als schwach giftig. Vor allem seine hellen, kugeligen Früchte enthalten Pyrrolizidinalkaloide, die bei einem Verzehr in größeren Mengen Übelkeit und Erbrechen verursachen können. Die Giftkonzentration ist allerdings deutlich niedriger, als in den heimischen Greiskraut-Arten, insbesondere dem gefürchteten Jakobsgreiskraut (Senecio jacobaea).
Ist Blauroter Steinsame essbar?
Nein, Blauroter Steinsame ist nicht essbar. Mit seiner Behaarung und den verschiedenen bitteren Inhaltsstoffen ist das Wildkraut auch nicht besonders schmackhaft.
Wann hat Blauroter Steinsame seine Blütezeit?
Die Blauroter Steinsamen Blütezeit erstreckt sich von April bis Juli. Während dieser Zeit durchläuft die Wildblume einen dekorativen Farbwechsel. Die Knospen und frisch entfalteten Blüten sind purpurrot und nehmen allmählich einen satten azurblauen Farbton an. Weil im Laufe der Blütezeit sich kontinuierlich neue Knospen bilden, entsteht ein blaurotes Erscheinungsbild (daher die deutschen Namen Blauroter Steinsame und Purpurblauer Steinsame).
Gedeiht Blauroter Steinsame mehrjährig?
Ja, der Blaurote Steinsame (Aegonychon purpurocaeruleum) ist eine winterharte, mehrjährige Staude. Zugeordnet wird er der Winterhärtezone Z5, weil seine maximale Frostverträglichkeit -28 Grad Celsius beträgt. Im Verlauf des Winters sterben die oberirdischen Pflanzenteile ab. Aus dem winterharten Wurzelstock treibt die Pflanze im Frühling munter wieder aus.
Quellen: Wikipedia.org, Blauroter Steinsame und Naturadb.de, Lithospermum purpurocaeruleum und Oekologie-Seite.de, Blauroter Steinsame und Nordischer-Shop.at, Aegonychon purpurocaeroleum und Naturgarten-Samen.de, Purpurroter Steinsame Saatgut und Loki-Schmidt-Stiftung, Blume des Jahres 2000
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