Alpenkräuter

Moos-Steinbrech (Saxifraga bryoides) pflanzen & pflegen – Alpenkräuter im Garten

06.01.2026
Moos-Steinbrech Saxifraga bryoides stammt aus dem Hochgebirge
Moos-Steinbrech Saxifraga bryoides stammt aus dem Hochgebirge

Der Moos-Steinbrech (Saxifraga bryoides) gehört zu den echten alpinen Spezialisten unter den Gartenpflanzen. In den Hochlagen der Alpen trotzt er stürmischem Wind, klirrendem Frost und nährstoffarmen Böden – und transferiert genau dieses raue, wild-romantische Alpenflair in Steingärten und Alpinanlagen. Im Unterschied zu vielen als „Moos-Steinbrech“ verkauften Zuchtformen, ist Saxifraga bryoidestatsächlich in den Alpen heimisch und stellt ganz eigene Ansprüche an Standort und Pflege. Wenn Sie es ernst meinen mit einer authentischen, alpinen Gartengestaltung, lesen Sie diesen Ratgeber für die Aussaat, Pflanzung und Pflege von Moos-Steinbrech. Sie werden überrascht sein, wie einfach seine Wünsche zu erfüllen sind.

Das Beitragsbild ist von Apollonio TottoliCC BY-NC-ND 2.0

Vektor Zusammenfassung, Kurzfassung

Kurzfassung

Der Moos-Steinbrech (Saxifraga bryoides) ist eine echte alpine Wildpflanze, die in den Hochlagen der Alpen heimisch ist. Er wächst sehr niedrig, bildet kugelige Polster, ist extrem winterhart und liebt sonnige Standorte mit frischen, mageren, sauren Böden. Staunässe und kalkhaltige, nährstoffreiche Erde verträgt er nicht.

Im Garten eignet sich Saxifraga bryoides besonders für Alpinum, Steingarten und Felsspalten, die er mit immergrünen, moosartigen Rosetten bewächst, über denen im Sommer zarte, weiße Blüten schweben. Die Pflege ist minimal: kein Dünger, kein Rückschnitt, nur etwas Wasser bei Trockenheit.

⚠️ Wichtig: Der im Handel häufig angebotene Garten-Moos-Steinbrech (Saxifraga × arendsii) ist eine Zuchtform und keine Alpenpflanze. Glaubwürdiges Alpenflair entfaltet nur der Saxifraga bryoides.

Vektor für Wissen, Steckbrief, wichtig

Moos-Steinbrech Steckbrief & Bilder

Bilder v.l.n.r. von TigerenteCC BY-SA 3.0 und I, SelsoCC BY-SA 3.0 und Thomas MathisCC BY-SA 3.0

Moos-Steinbrech lateinischer NameSaxifraga bryoides
FamilieSteinbrechgewächse (Saxifragaceae)
Herkunfteuropäische Gebirge, Alpen
VorkommenSilikatfelsen, Felsspalten, Geröll, alpine Hochlagen bis 4.200 m
Standortsonnig, nährstoffarm, sauer, frisch bis sickerfeucht
Wuchsformimmergrün, polsterbildend, rosettenförmig, ausläuferbildend
Wuchshöhe5-10 cm
Wuchsbreite10-30 cm
BlütezeitJuli bis August
SamenKaltkeimer, Lichtkeimer
Winterhärtewinterhart bis -40,1° (Z3)
Ökologieinsektenfreundlich
Giftigkeitungiftig
Naturschutz Statusextrem selten, stark gefährdet, geschützt
VerwendungBodendecker, Steingarten, Dachbegrünung, Steinfugen, Grab, Topf

Ein blühender Moos-Steinbrech Saxifraga bryoides auf blankem Felsgestein
Der Moos-Steinbrech Saxifraga bryoides wächst auch auf blankem Felsgestein.

Bild von Apollonio TottoliCC BY-NC-ND 2.0

☀️ Der richtige Moos-Steinbrech Standort im Garten

In seinem natürlichen Lebensraum wächst Saxifraga bryoides überwiegend auf Silikat-Schuttfluren, Felsen und zwischen Felsspalten, oftmals sogar ohne Substratauflage. Damit sich der Moos-Steinbrech im Garten wohlfühlt, sollte sein Standort diesen alpinen Rahmenbedingungen möglichst nahekommen.

  • Sonnig bis absonnig, luftig und kühl, ohne stauende Hitze.
  • Frisch bis feucht, gut durchlässig und ohne Staunässe.
  • Steinig, felsig, nährstoffarm.
  • Idealerweise kalkarm mit einem sauren bis neutralen pH-Wert < 6,5.

Für die Kultivierung von Moos-Steinbrech im Topf eignet sich eine Mischung aus 2 Teilen Bio-Kräutererde und 2 Teilen anorganischer Zuschlagstoffe, wie Splitt, Kies oder Tongranulat. Die anorganischen Bestandteile können Sie auch für eine Drainage auf dem Topfboden verwenden.

Standortideen für Moos-Steinbrech – Tops & Flops

✅ Ideal sind: Steingarten, Alpinum, Trockenmauer, Felsspalten.

🚫Ungeeignet sind: Beschattete Lagen unter Bäumen oder Sträuchern, schwere Lehmböden, feuchte Teichufer.

Bilder v.l.n.r. von Congerdesign auf Pixabay und von Andrey Zharkikh from Salt Lake City, USACC BY 2.0

Erhobener Finger auf rotem Grund als Symbol für Vorsicht, Achtung, Obacht, gefährlich.

Verwechslungsgefahr: Nicht alles, was Moos-Steinbrech heißt, ist eine Alpenpflanze!

Im Handel werden zahlreiche Sorten Moos-Steinbrech (Saxifraga × arendsii) angeboten. Dabei handelt es sich um Zuchtformen, die zwar hübsch blühen, aber keine heimischen, alpinen Wildpflanzen sind. Folgende Tabelle zeigt die Unterschiede:

MerkmalSaxifraga bryoidesSaxifraga × arendsii
HerkunftAlpen, heimischZuchtform, Neophyt
Alpenpflanze✅ ja❌ nein
Wuchshöhe5–10 cm10–30 cm
BlütezeitSommerFrühling
StandortAlpinum, FelsspaltenBeet, Steingarten
Bodenmineralischhumoser

Zwischen Felsen gedeiht ein blühendes Polster aus Saxifraga bryoides
Moos-Steinbrech kann man in Steinfugen aussäen.

Bild von Fred InklaarCC BY-NC-SA 2.0

Hände halten Samen und lassen sie langsam herunterfallen als Symbol für Aussaat

Moos-Steinbrech Aussaat – Anleitung

Die Samen des Saxifraga bryoides sind Licht- und Kaltkeimer. Es ist ein Kältereiz von mindestens 4 bis 8 Wochen erforderlich mit Temperaturen von -4 Grad bis +4 Grad, um die Keimhemmung zu überwinden. Die Keimung selbst erfolgt dann nach einer Warmphase von 2 bis 3 Wochen bei 15-18 Grad Celsius. Im besten Fall erleben Kaltkeimer den Kältereiz nach einer Direktsaat zwischen Oktober und März. Wie Sie Moos-Steinbrech richtig aussäen, bringt folgende Anleitung auf den Punkt:

Bodenvorbereitung: Auflockern, Unkraut jäten, feinkörnigen Splitt oder Schotter unter die Erde heben und mit dem Rechen glatt ziehen.

Aussaat: Die feinen Samen mit Sand mischen und breitwürfig ausstreuen.

Bodenschluss herstellen: Die Lichtkeimer nicht oder samendick mit Erde bedecken und andrücken.

Gießen und schützen: Das Saxifraga-Saatbeet befeuchten mit feiner Brause und abdecken mit einem Kulturschutznetz.

Halten Sie die Saat leicht feucht und entfernen alle paar Tage das Unkraut. Es ist von Vorteil, wenn sich eine Schneedecke auf das Saatbeet legt, denn das versickernde Schmelzwasser ermuntert die Samen zur Keimung.

Blühender Saxifraga bryoides im Topf auf dem Balkon
Moos-Steinbrech kann man auch in einen Topf pflanzen.

Bild von Bad Alley (Cat)CC BY-NC-SA 2.0

Pfeil mit der Aufschrift „Tipps & Tricks“ auf grünem Hintergrund für Gartenratgeber.

Moos-Steinbrech im Topf ziehen

Statt einer Direktsaat können Sie Saxifraga bryoides im Topf ziehen für den Balkon oder die Auspflanzung ins Beet. Wenn Sie Anzuchttöpfe aus biologisch abbaubarer Zellulose verwenden, setzen Sie die Jungpflanzen im Frühling mit Topf in die Erde. Streuen Sie die Samen auf angefeuchtete, ungedüngte Kokoserde. Am halbschattigen Standort auf dem Balkon oder im Frühbeet kann der erforderliche Kältereiz auf das Saatgut einwirken.

Blick von oben auf einen blühenden Saxifraga bryoides als Bodendecker im Steingarten
Moos-Steinbrech ist die ideale Steingarten Pflanze.

Bild von Meneerke bloemCC BY-SA 3.0

Paar in Gartenkleidung mit Pflanzen und Gießkanne, bereit für die Gartenarbeit.

Saxifraga bryoides einpflanzen – Anleitung

Beste Pflanzzeit für Moos-Steinbrech im Garten und Topf ist von April bis Juni. Ein zweites Zeitfenster für die Pflanzung ist im Herbst geöffnet. In einem lockeren, kiesig-sandigen, unkrautfreien Boden wachsen die Alpenkräuter besser an.

1️⃣ Saxifraga Jungpflanzen mit Topf für einige Minuten in kalkfreies Wasser stellen.

2️⃣ Im Abstand von 10-15 cm flache Pflanzgruben ausheben mit dem doppelten Volumen des Wurzelballens. Den Aushub mit feinem Splitt oder Kies mischen.

3️⃣ Nur im extrem mageren Boden als Startdüngung in jedes Pflanzloch Hornspäne streuen.

4️⃣ Wassergetränkten Moos-Steinbrech austopfen und einpflanzen bis zur moosartigen Blattrosette.

5️⃣Die Erde andrücken, mit feiner Braus wässern und in den ersten Wochen leicht feucht halten.

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Mulchen mit Sand, Kies, Splitt, Rasenschnitt oder Jumbogras-Häckseln unterdrückt das Unkraut und hält den Boden länger frisch.

Vektor Gedankenwolken mit Glühbirne als Symbol für Ideen, Tipp, Inspiration

Moos-Steinbrech kombinieren – Ideen für schöne Nachbarn

Die idealen Pflanzpartner für den den Saxifraga bryoides stammen ebenfalls aus den Alpen und bevorzugen einen sonnigen, frischen, kargen Standort. Mit dem wunderbaren Himmelsherold (Eritrichium nanum) bildet der Moos-Steinbrech das Dream-Team der Hochalpen, das auch im Steingarten gedeiht. Seine himmelblauen Blüten kontrastieren eindrucksvoll mit den cremeweißen Steinbrech-Blüten.

Weitere Paradebeispiele für Premium-Nachbarn sind die Berg-Nelkenwurz (Geum montanum) mit gelben Schalenblüten von Mai bis Oktober und fedrigen Samenständen im Herbst sowie der Gletscher Hahnenfuß (Ranunculus glacialis), mit weißen, später rosa und dunkelroten Blüten von Juli bis August. Im alpinen Kräuterbeet harmonieren Heilziest (Betonica officinalis), Echte Arnika (Arnica montana) und Meisterwurz (Peucedanum ostruthium) perfekt mit dem Moos-Steinbrech. Natürlich darf das unverwüstliche Berg-Sandglöckchen (Jasione montana) nicht fehlen mit blauen Körbchenblüten von Juni bis August.

Vektor für Pflanzen düngen

Moos-Steinbrech Pflege – Die besten Tipps für Saxifraga bryoides

Der echte, alpine Moos-Steinbrech ist nahezu anspruchslos, bis auf eine Wasserversorgung bei Bedarf. Anders als seine natürlichen Vorkommen auf nackten Felsen vermuten lassen, ist das Alpenkraut kein Trockenkünstler.

🔹Gießen: Saxifraga bryoides bei Trockenheit regelmäßig mit kalkfreiem Wasser gießen. Bei Sommerhitze am besten täglich am frühen Morgen oder nach Sonnenuntergang kurz überbrausen.

🔹Düngen: Nicht nötig.

🔹Schneiden: Nicht nötig.

🔹Überwinterung: Im Garten kein Winterschutz erforderlich. Töpfe regengeschützt aufstellen und mit Wintervlies ummanteln.

🌱 Moos-Steinbrech teilen und vermehren

Für eine kontrollierte Vermehrung können Sie ältere Moos-Steinbrech Polster im Frühjahr teilen. Hierzu müssen Sie nicht die komplette Pflanze ausgraben. Mit dem Spaten stechen Sie einen der langen, rosettentragenden Ausläufer ab und heben ihn mit etwas Erde aus dem Boden. Am neuen Standort pflanzen Sie den Ableger genauso tief ein, wie zuvor und gießen an.

Vektor für Fazit

Fazit

Der Moos-Steinbrech (Saxifraga bryoides) ist eine echte alpine Wildpflanze, die bis ins Hochgebirge vorkommt. Er wächst polsterbildend, liebt sonnige, mineralische Standorte und ist extrem winterhart. Während der sommerlichen Blütezeit sind seine zierlichen Blüten eine wertvolle Nahrungsquelle für Insekten, die sich bis über die Baumgrenze hinaus wagen. Im Gegensatz zu häufig verkauften Moos-Steinbrech-Hybriden (Saxifraga × arendsii) ist der Saxifraga bryoides kein Beetblüher, sondern ein Spezialist für Alpinum und Steingarten.

Fragezeichen in Grün visualisieren eine Fragestellung

Häufig gestellte Fragen

Ist der Moos-Steinbrech insektenfreundlich?

Ja, der Moos-Steinbrech bietet den Insekten der Alpen bis in 4.200 m Höhe mit seinen kleinen Blüten frei zugänglichen Nektar und Pollen an. Zwar ist das Nahrungsangebot geringer, als bei größeren Stauden, doch im Alpinum und Steingarten trägt der Saxifraga bryoides zur ökologischen Vielfalt bei. Nicht zuletzt aufgrund seiner spätsommerlichen Blütezeit, wenn die meisten Nektarspender längst verwelkt sind.

Für wen ist der Moos-Steinbrech Saxifraga bryoides die richtige Wahl?

Der Moos-Steinbrech ist ideal für Liebhaber echter Alpenpflanzen, die Wert legen auf eine authentische, alpine Gestaltung naturnaher Steingärten und Trockenmauern. Weniger geeignet ist der Saxifraga bryoides für Hobbygärtner, die sich eine schnelle Blütenfülle wünschen und dafür auch die Pflanzung nicht heimischer Neophyten in Betracht ziehen.

Ist der Moos-Steinbrech giftig?

Nein, der alpine Moos-Steinbrech ist nicht giftig und stellt für Kinder und Haustiere keine Gefahr dar. Allerdings sind seine Blüten und Blätter nicht essbar. Auch als Futter für Kaninchen, Hamster, Meerschweinchen und andere Nagetiere ist das Alpenkraut nicht geeignet.

Quellen: Wikipedia.org, Moos-Steinbrech und Steinbrech und Oekologie-Seite.de, Moos-Steinbrech und Galasearch.de, Saxifraga bryoides und Naturadb.de, Gattung Steinbrech und Baumschule-Horstmann.de, Gattung Steinbrech und Bio-Gaertner.de, Saxifraga und Rote-Liste-Zentrum.de, Saxifraga bryoides

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