Kaum eine andere Alpenpflanze repräsentiert den rauen Charme der Berge so eindrucksvoll, wie die Silberdistel (Carlina acaulis). Ihr uriges Erscheinungsbild ist eine eindrucksvolle Kombination aus markanten, silbrig glänzenden Blüten und dornigen Blattrosetten. Wer genau hinschaut, dem tut die Wetterdistel kund, ob es demnächst regnen oder die Sonne scheinen wird. Für Insekten ist die Silberdistel eine der gehaltvollsten, heimischen Nahrungsquellen. Hobbygärtner schätzen ihre anspruchslose Genügsamkeit. In der Natur steht sie unter strengem Naturschutz – umso schöner, wenn das ökologische Juwel den eigenen Garten bereichert.
Das Beitragsbild ist von K. Günter Sturm – CC BY-NC-SA 2.0
Das Wichtigste über die Silberdistel kurzgefasst

Wie sieht die Silberdistel aus?
Silberdistel Blüte
Silberdistel Blätter sind derb, gefiedert und dornig gezähnt
Die Silberdistel bildet Früchte mit zahlreichen Schirmchenflieger Samen
Typischer Habitus von Carlina acaulis
Bilder v.o.n.u. von Bernd Haynold – CC BY-SA 3.0 und Agnieszka Kwiecień, Nova – CC BY-SA 4.0 und von W. Bulach – CC BY-SA 4.0 und von Dani Egli auf Pixabay

Drei brennende Fragen vorab: Giftpflanze, Heilkraut, Wetterprophetin?
Bevor wir einsteigen in die Pflanz- und Pflegeanleitung klären wir die drei häufigsten Fragen, die Hobbygärtner bei der Kultivierung einer Silberdistel unter den Nägeln brennen:
I. Ist die Silberdistel giftig?
Ja, die Silberdistel wird als giftig eingestuft. Im Fokus steht die Pfahlwurzel, die eine hohe Konzentration Carlinaoxid enthält, ein toxisches, ätherisches Öl. Beim Verzehr größerer Mengen der frischen oder getrockneten Wurzel kann es zu quälenden Vergiftungserscheinungen kommen. Im normalen Umgang als Gartenpflanze ist die Silberdistel freilich harmlos.
Geschlossene Silberdistel-Blüten bei regnerischem Wetter.
Bei Sonnenschein geöffnete Silberdistel-Blüte.
Bilder v.l.n.r. von Mindz und von Michael
II. Warum wird die Silberdistel auch Wetterdistel genannt?
Die Silberdistel besitzt eine hygroskopische Eigenschaft. Das bedeutet, dass sich ihre Blüten bei Regen schließen, um den Pollen zu schützen. Wenn die Sonne wieder scheint, öffnen sich die Silberdistel-Blüten. Darum wird die Silberdistel auch Wetterdistel genannt. Damit geht die Silberdistel einen bemerkenswerten Schritt weiter, als andere hygroskopische Alpenpflanzen, wie Edelweiß und Alpen-Frauenmantel. Vertiefende Informationen zu diesem genialen Schachzug von Mutter Natur können Sie in der folgenden Infobox nachlesen:
III. Ist die Silberdistel eine Heilpflanze?
Bei dieser Frage muss differenziert werden. Überlieferungen zufolge galt die Silberdistel im Mittelalter als Heilpflanze mit wirksamen Inhaltsstoffen, wie ätherische Öle, Bitterstoffe, Carlinaoxid, Flavonoide und Gerbstoffe. Die Heilwirkung wurde beschrieben als abführend, antibiotisch, harntreibend, krampflösend und schweißtreibend. Hauptsächlich angewendet wurde Silberdistel innerlich als Abführmittel und bei Erkältungsbeschwerden; äußerlich bei Hautkrankheiten.
Aufgrund der Toxizität und schwerer Nebenwirkungen wie Durchfall, Übelkeit und Erbrechen, wird in der modernen Naturheilkunde von einer Selbstmedikation mit Silberdistel dringend abgeraten.
Silberdistel Steckbrief

Bild von Pmau – CC BY-SA 4.0

Silberdistel Standort und Boden
In ihrem alpinen Lebensraum besiedelt die Silberdistel sonnendurchflutete, trockene bis frische, beweidete Magerwiesen vom Tal bis auf 2.800 m Höhe. Diese Standortpräferenzen wünscht sich das Alpenkraut auch im Garten.
✅ Licht: volle Sonne, selbst lichter Halbschatten wird nicht toleriert.
✅ Boden: Frisch bis feucht, durchlässig, mäßig nährstoffreich, vorzugsweise sandig-lehmig.
✅ PH-Wert: Schwach sauer bis kalkhaltig (pH-Wert 6,0 bis 8,5).
👉 Optimale Gartenplätze: Alpinum, Steingarten, Trockenmauer, Felssteppe, sonnige Böschung, niedrige Magerwiese.

Bild von Krzysztof Ziarnek, Kenraiz – CC BY-SA 4.0

Silberdistel Aussaat – Anleitung
Silberdistel Samen sind Lichtkeimer und Normalkeimer. Beste Zeit für die Aussaat direkt ins Beet ist von März bis Juni und von August bis Oktober. So säen Sie die Carlina acaulis richtig:
1. Bodenvorbereitung: Gartenboden jäten, harken, Sand und feinen Kalksplitt einarbeiten, glatt ziehen und mit der Schaufel festklopfen.
2. Aussaat: Das Silberdistel Saatgut mit Sand strecken und breitwürfig verteilen. (1-2 g Samen pro m² reichen aus)
3. Andrücken: Die Lichtkeimer andrücken mit einer Rasenwalze oder mit Schuhbrettchen abschreiten.
4. Gießen und schützen: Das Saatbeet mit feiner Brause wässern und abdecken mit einem Kulturschutznetz.
Halten Sie das Saatbeet konstant leicht feucht. Vermeiden Sie sowohl Staunässe, als auch Trockenheit. Zu eng stehende Silberdistel Keimlinge verziehen Sie auf einen Abstand von 30 cm.

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Silberdistel vorziehen
Als Alternative zur Direktsaat können Sie die Silberdistel vorziehen. Verwenden Sie ein nährstoffarmes Anzuchtsubstrat, wie ungedüngte Kokoserde. Drücken Sie die Samen an und gießen idealerweise von unten, indem Sie die Anzuchttöpfe einige Minuten in Wasser stellen und auf einem Rost abtropfen lassen. Am hellen, nicht vollsonnigen Standort mit Temperaturen um 20 Grad Celsius beträgt die Keimzeit 2 bis 3 Wochen.

Bild von Krzysztof Ziarnek, Kenraiz – CC BY-SA 4.0

Silberdistel im Garten pflanzen – Schritt für Schritt
Pflanzfertig gekaufte und selbst vorgezogene Silberdisteln können Sie zu jeder Jahreszeit pflanzen, sofern der Gartenboden offen und nicht gefroren ist. Die beste Pflanzzeit ist im Frühling, damit das Alpenkraut bis zum ersten Winter eine kräftige Pfahlwurzel und Blattrosette bilden kann. So pflanzen Sie die Silberdistel in 5 Schritten richtig:
1. Wurzeln tränken: Stellen Sie den Topfballen für einige Minuten in Wasser.
2. Bodenvorbereitung: Damit die Pfahlwurzel zügig einwachsen kann, graben Sie den Boden 2-Spaten tief um, entfernen das Unkraut und harken, bis eine locker-durchlässige Erde entsteht . Als Drainage mischen Sie Sand, Splitt oder feinen Kies unter, denn Staunässe ist der Silberdistel größter Feind.
3. Pflanzung: Heben Sie für die Jungpflanze ein Loch aus, das etwa doppelt so groß, wie der Wurzelballen ist. Setzen Sie die nunmehr ausgetopfte Silberdistel bis zur Blattrosette in die Erde und gießen durchdringend an.
4. Pflanzabstand: Der richtige Pflanzabstand beträgt 30 cm. Für ein flächendeckendes Wachstum als Bodendecker setzen Sie 8-10 Silberdisteln je qm.
5. Mulchen: Wenn Sie die Wurzelscheibe mit einer dünnen Sandschicht mulchen, wird Unkraut unterdrückt und die Erde bleibt länger feucht. Konkurrenzdruck durch Unkraut und Trockenstress sind die häufigsten Ursachen, wenn die Wetterdistel nicht anwächst.

Bild von Agnieszka Kwiecień, Nova – CC BY-SA 4.0

Silberdistel Pflegeanleitung
💧 Silberdistel richtig gießen
Gießbedarf hat die Silberdistel lediglich in der Anfangsphase. Für eine gut verwurzelte Pflanze reicht die normale Regenmenge aus. Nur bei wochenlanger Trockenheit ist sie dankbar für einen Schluck Wasser.
🍽️ Silberdistel nicht düngen
Im normalen Gartenboden ist kein Düngen nötig. Wird der Boden zu nährstoffreich, wachsen zwar viele, dornige Blätter, aber kaum Blüten.
✂️ Rückschnitt: Silberdistel nicht schneiden
Die vertrockneten Silberdistel Blüten setzen im Winter dekorative Akzente im leergefegten Garten. Außerdem dienen ihre abgestorbenen Pflanzenteile Insekten und Kleintieren als Winterquartier. Darum gehört ein Rückschnitt nicht zum normalen Pflegeprogramm. Sollte die Selbstaussaat nicht erwünscht sein, schneiden Sie die Blüten unmittelbar nach der Blütezeit bis zur Blattrosette ab.
❄️ Winterschutz ist nicht nötig
Die robuste Silberdistel kann sich auf eine kernige Winterhärte von bis zu -34 Grad Celsius verlassen. Einen Winterschutz können Sie ersatzlos aus dem Pflegeprogramm streichen.

Bild von PIRO auf Pixabay

Silberdistel kombinieren – Ideen für schöne Begleitpflanzen
Mit ihrer ausladenden, dornigen Blattrosette signalisiert die Silberdistel, dass sie nur ungern mit Pflanznachbarn auf Tuchfühlung geht. Als Begleitpflanzen in Gartenkultur eignen sich primär niedrige Alpenpflanzen ohne Ausläufer, die ebenfalls vollsonnige, magere und trockene Standorte lieben.
▪️Alpen-Steinquendel (Acinos alpinus), 10-15 cm hoch und mit duftenden rot-violetten Blüten von Mai bis Oktober.
▪️Alpen-Sonnenröschen (Helianthemum alpestre), 10-15 cm hoher, immergrüner Zwergstrauch mit leuchtend gelben Blüten.
▪️Hungerblümchen (Draba aizoides), 10 cm hoher, immergrüne Polsterpflanze sorgt im Frühling für gelbe Blütenpracht bis die Silberdistel-Blütezeit beginnt.
▪️Die Zwerg-Glockenblume (Campanula cochleariifolia) gesellt sich in den Alpen mit ihren blauen Blüten gerne zur Silberdistel.
▪️Alpen-Astern (Aster alpinus) sind mit 5-20 cm Wuchshöhe und violetten Körbchenblüten bis in den Herbst die idealen Nachbarn für Silberdisteln.

Bild von Böhringer Friedrich – CC BY-SA 2.5
Häufig gestellte Fragen:
Ist die Silberdistel bienenfreundlich?
Ja, die Silberdistel zählt zu den wertvollsten heimischen Bienenweiden mit dem höchst möglichen Nektar- und Pollenwert 4 von 4. Neben unzähligen Honigbienen fliegen 72 Wildbienen-Arten die nahrhaften Blüten an, wie die stark gefährdete Flockenblumen-Langhornbiene (Eucera dentata) und die gefährdete Einhöckerige Mauerbiene (Osmia niveata). Fernerhin finden sich 27 Schwebfliegen-Arten und 5 Käfer-Arten an den nahrhaften Blüten zur Nektar- und Pollenernte ein.
Ist die Silberdistel winterhart?
Ja, die heimische Silberdistel Carlina acaulis ist vollkommen winterhart. Zugerechnet wird die Alpenpflanze der Winterhärtezone Z4, was einer Frostverträglichkeit bis -34 Grad Celsius entspricht.
Steht die Silberdistel unter Naturschutz?
Ja, die ohnehin seltene Silberdistel ist durch den Schwund ihrer alpinen Lebensräume im Bestand gefährdet. Darum ist die Alpenblume seit einigen Jahren in Deutschland und Österreich besonders geschützt. Es ist verboten, die Staude zu pflücken, auszugraben oder anderweitig zu stören. Die Silberdistel als Gartenpflanze zu kultivieren leistet einen wertvollen Beitrag zu ihrem Fortbestand.
Quellen: Wikipedia.org, Silberdistel und Naturadb.de, Carlina acaulis und Oekologie-Seite.de, Silber-Distel und Nordischer-Shop.at, Carlina acaulis und Heilkraeuter.de, Silberdistel und Rote-Liste-Zentrum.de. Carlina acaulis
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