Wer im Sommer in den Alpen oder im Tal wandert, kennt sie: Die strahlend blauen Blüten der Wegwarte (Cichorium intybus), die uns am staubigen Wegrand und aus Wiesen entgegenblicken. Im Garten ist die Gemeine Wegwarte ein dekoratives Highlight, eine Bienenweide, traditionelle Heilpflanze und schmackhaftes Wildgemüse. Sogar als Kaffee-Ersatz hat sich das Wildkraut vom Flachland bis in alpine Höhen einen Namen gemacht. Sie ist pflegeleicht, wunderschön und eine Bereicherung für jeden Naturgarten. Alles Wissenswerte über die Aussaat, Pflanzung, Pflege und Verwendung erfahren Sie hier.
Das Beitragsbild ist von Muséum de Toulouse – CC BY-NC-ND 2.0
Das Wichtigste über die Wegwarte
Die Gemeine Wegwarte (Cichorium intybus) ist eine robuste, mehrjährige Wildstaude mit himmelblauen Blüten von Juni bis Oktober. Jede Einzelblüte hält nur für einen Tag. Sie liebt sonnige, trockene und kalkhaltige Standorte, ist eine wertvolle Insektenpflanze und essbares Wildgemüse. Die Heilpflanze enthält Bitterstoffe, die Verdauung und Leberfunktion unterstützen.
📸 Gemeine Wegwarte Bilder
Wegwarten Blüten sind himmelblau
Von orladrakon auf Pixabay

Gemeine Wegwarte Steckbrief

Bild von Assianir – CC BY-SA 3.0

Wegwarte Standort & Boden
Die Gemeine Wegwarte ist eine Sonnenanbeterin und Pionierpflanze, die in der Natur karge Flächen und trockene Magerwiesen besiedelt. Allerdings pocht sie nicht rigoros auf diese Rahmenbedingungen, sondern gibt sich im Garten durchaus kompromissbereit.
✅ Licht: Volle Sonne bis lichter Halbschatten mit mindestens 6 Sonnenstunden während der Blütezeit.
✅ Boden: Idealerweise trocken, mager und kalkhaltig, toleriert frische, mäßig nährstoffreiche und neutrale Erde.
✅ Platzbedarf: Weil Wegwarten im Garten bis 140 cm groß und im oberen Bereich sparrig werden, beanspruchen sie mindestens 55 cm Freiraum auf jeder Seite.
👉 Weil die Gemeine Wegwarte eine tiefe Pfahlwurzel bildet, eignet sie sich in der alpinen Gartengestaltung hervorragend für die natürliche Befestigung sonniger Böschungen und Hangbeete.

Bild von Ayotte, Gilles, 1948 – Bibliothek der Université Laval – CC BY-SA 4.0

Gemeine Wegwarte Aussaat
Die Wegwarte lässt sich sehr einfach aus Samen ziehen, denn sie gehört zu den Normalkeimern. Beste Zeit für die Direktsaat ist von April bis Juni. Je nach Bedarf können Sie die Wegwarte flächendeckend, in Reihen oder Gruppen säen. So gehen Sie dabei vor:
- Reihensaat: Mit einem Pflanzstock im Reihenabstand von 30-40 cm flache Saatrillen im Boden ziehen, die Samen einstreuen.
- Wurfsaat: Wegwarten Samen breitwürfig von Hand oder mit einem Handstreuer ausbringen.
- Gruppensaat: Flache Saatgruben anlegen im Abstand von 30-40 cm für jeweils 2-3 Samen.
- Andrücken: Die Lichtkeimer samendick übersieben und andrücken oder walzen mit der leichtgängigen Juskys Rasenwalze von Amazon.
- Anfeuchten: Das Saatbeet wässern mit feiner Brause aus einem Sprühgießer.
Nach dem Angießen befestigen Sie über dem Beet ein Schutznetz. Bei Temperaturen um +20 Grad beträgt die Keimzeit 14-21 Tage. Halten Sie das Saatbeet leicht feucht und jäten regelmäßig das Unkraut.
💡Wegwarte vorziehen – Tipps
Ab Ende Februar können Sie die Gemeine Wegwarte auf der hellen, warmen Fensterbank vorziehen und als kräftige Jungpflanze im Frühling auspflanzen. Schonend für die Pfahlwurzel sind biologisch abbaubare Anzuchttöpfe aus Kokosfasern oder Zellulose. Als Anzuchtsubstrat eignet sich ungedüngte Kokosfasererde.
Eine Abdeckung aus Kunststoff oder Glas erzeugt ein feucht-warmes Mikroklima, das sich günstig auf Keimfreudigkeit auswirkt. Halten Sie die Erde leicht feucht. Alle 2 Tage lüften Sie das Anzuchtgefäß für 2 Stunden, damit sich kein Schimmel bildet. Sobald die Keimung einsetzt, hat die Abdeckung ihre Aufgabe erfüllt und wird entfernt.

🌱 Wegwarte im Garten pflanzen – Anleitung
Vorgezogene und pflanzfertig gekaufte Wegwarte Jungpflanzen können Sie ab Mai einpflanzen. Graben Sie den Boden spatentief um, entfernen das Unkraut und harken die Erde mehrmals durch. Bei Bedarf verbessern Sie die Durchlässigkeit mit grobem Sand oder Kalksplitt. So gehen Sie weiter vor:
1. Wurzelballen wässern (mindestens 10 Minuten bis zu den Grundblättern in Wasser stellen).
2. Im Abstand von 30-40 cm Pflanzlöcher ausheben mit dem doppelten Volumen des Topfballens.
3. Als Startdüngung den Aushub vermischen mit Kompost, Hornspänen oder einem Bio-Langzeitdünger.
4. Eine Gemeine Wegwarte – nunmehr ohne Topf – nur so tief ins Pflanzloch setzen, dass sich die Oberkante des Ballens knapp unter dem Bodenniveau befindet und die Blätter über der Erde stehen.
5. Das Pflanzloch mit dem gedüngten Aushub auffüllen, die Erde andrücken und durchdringend gießen.

Bild von Andreas auf Pixabay
Gemeine Wegwarte Pflege
💧 Wegwarte sparsam gießen
Nur bei extremer Trockenheit besteht Gießbedarf. Ihre Wurzeln reichen so tief, dass sie sich meist selbst versorgt.
🍽️ Wegwarte nicht düngen
Eine zusätzliche Nährstoffversorgung ist nicht nötig! Zu viel Dünger führt eher dazu, dass die Wildstaude ihre Stabilität einbüßt, „mastig“ wird und umkippt.
✂️ Rückschnitt nur bei Bedarf
Um die Selbstaussaat zu verhindern, können Sie nach der Blütezeit die verwelkten Stängel bis zur grundständigen Blattrosette zurückschneiden. Obwohl sie im Herbst einziehen, dienen die großen, recht stabilen Wegwarten Blätter dennoch Insekten und Kleinsäugern im Winter als Rückzugsort und schützen das Wurzelsystem vor Nässe und Frost.
❄️ Gemeine Wegwarte überwintern
Ein Winterschutz ist nicht nötig. Die Wegwarte ist vollkommen winterhart bis -40 Grad Celsius.

Grüner-Daumen-Tipp: An windigen Standorten kann es passieren, dass die bis zu 2 m hohen Blütenstängel umknicken. Ein Stützstab oder Staudenhalter schützt die Wegwarte vor Windwurf.


Bild von _Artoxana auf Pixabay
Wie kann man die Wegwarte verwenden?


Bild von Tamorlan – CC BY-SA 3.0
Erntezeiten für die Gemeine Wegwarte
Die Wegwarte entfaltet ihr volles Potenzial, wenn Sie die Blätter, Blüten und Wurzeln zur richtigen Zeit ernten:


Grüner-Daumen-Tipp: Wenn Sie die Triebe in halber Höhe ernten, kann sich die Wegwarte schnell regenerieren. Für eine lange Haltbarkeit empfiehlt sich, die Triebe zu einem lockeren Strauß zu bündeln und kopfüber am dunklen Ort zu trocknen.


Bild von DiAuras – CC BY-SA 4.0


Pflanz-Idee mit Wegwarte in einer Wildblumenwiese
Die Gemeine Wegwarte (Cichorium intybus) ist sehr gesellig und wirkt als Solitär mitunter ein wenig verloren. In ihren alpinen Habitaten bildet sie mit anderen Wildstauden gerne eine lebendige Gemeinschaft, die sich wunderbar ergänzt und scharenweise Bienen anzieht. Ein Paradebeispiel hat der Fotograf im obigen Bild eingefangen als Vorlage für Ihren Naturgarten. Pflanzpartner der Wegwarte auf dem obigen Bild sind:
- Gelber Steinklee (Melilotus officinalis), ein Heilkraut gegen müde Beine mit gelben Blüten von Juni bis Oktober
- Rainfarn (Tanacetum vulgare), eine Bienenweide, traditionelle Heilpflanze und herrliche Duftpflanze mit gelben Blüten von Juni bis Oktober.
- Alpen-Lichtnelke (Lychnis alpina), ein wintergrüner Bodendecker mit einem rosaroten Blütenteppich vom Frühling bis zum Sommer.
- Wilde Möhre (Daucus carota), eine alpine Heil- und Gemüsepflanze, Bienenweide und Schmetterlingsmagnet mit weißen Doldenblüten.


Weitere Pflanzpartner für Wegwarten im Garten
Da die Wegwarte in Gartenkultur mit bis zu 1,50 Metern recht hoch und eher luftig wächst, braucht sie Nachbarn, die ihre Basis füllen oder einen schönen farblichen Kontrast zum Himmelblau bilden.
Hier ist das perfekte Alpen-Ensemble für ein naturnahes Beet:
- Alpenmohn (Papaver alpinum), der ideale Bodendecker, dessen gelbe Schalenblüten mit den himmelblauen Wegwarte Blüten dekorativ kontrastieren.
- Alpen-Edelweiß (Leontopodium alpinum) mit weiß-filzigen Blüten im Sommer für ein weiß-blaues Gartenbild mit Wegwarten.
- Lavendel (Lavandula) erzeugt mit violett-blauen Blütenrispen einen stilvollen, strukturellen Kontrast zu den himmelblauen Strahlenblüte.
- Tausendgüldenkraut (Centaurium erythraea) rundet das Erscheinungsbild dekorativ ab mit rosa Blüten von Juni bis September und lindert als Heilkraut-Tee Magenschmerzen und Verdauungsprobleme.



Grüner-Daumen-Gestaltungstipp: Achten Sie darauf, dass die Wegwarte im Hintergrund oder im Zentrum steht. Da sich ihre Blüten meist nur bis zum Mittag öffnet, sorgen die Partnerpflanzen dafür, dass das Beet auch am Nachmittag noch farbenfroh aussieht.
Fazit
Die Gemeine Wegwarte ist eine heimische, pflegeleichte und ökologisch wertvolle Wildstaude, die in den Alpen bis zur Baumgrenze hinauf vorkommt. Mit ihren leuchtend blauen Blüten bringt sie alpinen Charme in sonnige Gartenbereiche, macht Bienen glücklich, lindert als traditionelle Heilpflanze Verdauungsbeschwerden und bereichert die Küche mit essbaren Blüten, Blättern und Wurzeln. Für naturnahe Gärten im Alpenraum ist sie eine ideale, nahezu anspruchslose Begleiterin.
Quellen: Wikipedia.org, Gemeine Wegwarte und Naturadb.de, Cichorium intybus und Oekologie-Seite.de, Cichorium intybus und Baumschule-Horstmann.de, Wegwarte und Heilkraeuter.de, Wegwarte und Rote-Liste-Zentrum.de, Gemeine Wegwarte
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