Alpenblumen

Wiesen Pippau oder Habichtskraut: So erkennen Sie den Unterschied

06.09.2026
Wiesen-Pippau und gelbes Habichtskraut im Vergleich mit unterschiedlichen Blättern und gelben Körbchenblüten
Wiesen-Pippau und gelbes Habichtskraut im Vergleich mit unterschiedlichen Blättern und gelben Körbchenblüten

Im Sommer verwandeln Wiesen-Pippau (Crepis biennis) und Habichtskraut (Hieracium) Wiesen, Wegränder und Waldsäume in ein leuchtend gelbes Blütenmeer. Weil sich die beiden Naturschönheiten so ähnlich sehen, sind Verwechslungen an der Tagesordnung. Kein Wunder: Beide Wildblumen gehören zur Familie der Korbblütler. Auch ihr weißer Milchsaft ist kein verlässliches Unterscheidungsmerkmal.

Wer einen genauen Blick auf Blätter, Stängel und Wuchsform wirft, kommt des Rätsels Lösung schnell auf die Spur. In diesem Ratgeber lesen Sie alle Informationen für eine treffsichere Unterscheidung von Wiesen Pippau und Habichtskraut.

Kurzfassung

Was ist der Unterschied zwischen Wiesen-Pippau und Habichtskraut?

Wiesen-Pippau (Crepis biennis) erkennt man primär an seinem bis 120 cm hohen, im oberen Bereich stark verzweigten Stängel und den zahlreichen Stängelblättern. Die oberen Blätter sind kahl oder dünn behaart, sitzen direkt am Stängel und besitzen häufig einen pfeil- bis keilförmigen Blattgrund. Auffällig sind zudem die vielfach nach unten gerichteten Blattzähne.

Beim Gewöhnlichen Habichtskraut (Hieracium lachenalii) sitzen dagegen meist mehrere Blätter in einer grundständigen Blattrosette. Am Stängel befinden sich vergleichsweise wenige Blätter. Der obere Stängelbereich und die Blütenhüllen können zudem dunkle Drüsenhaare tragen. Seine Blattform ist zumeist eiförmig bis lanzettlich mit waagerechten oder aufwärts gerichteten Sägezähnen.

Wiesen-Pippau und Habichtskraut im direkten Vergleich

MerkmalWiesen-Pippau (Crepis biennis)Gewöhnliches Habichtskraut (Hieracium lachenalii)
FamilieKorbblütlerKorbblütler
Blütenfarbegoldgelbhell- bis goldgelb
Wuchshöheetwa 30–120 cmetwa 20–50 cm
Wuchsartzweijährige Halbrosettenpflanzeausdauernde Halbrosettenpflanze
Wuchsaufrecht, oben stark verzweigtaufrecht, oben rispig verzweigt
GrundblätterRosette vorhandenRosette ausgeprägter vorhanden
Stängelblättermehrere, auffälligwechselständig, 3-5, selten bis 12
obere Blättersitzend, häufig pfeil-/keilförmigkleiner, meist lanzettlich
Blattzähnehäufig abwärts gerichtetwaagerecht bis aufwärts gerichtet
Stängelsteif aufrecht, oben verzweigtoben grau behaart und mit dunklen Drüsenhaaren
Standortvollsonnige, frische Wiesen, Wegränderhalbschattige Waldsäume, lichte Wälder, trockener Magerrasen
Lebensdauerzweijährigmehrjährig

Blätter anschauen: wichtigstes Unterscheidungsmerkmal

Die Begegnung mit gelben Wildblumen auf Almwiesen wirft die Frage auf, welche Blütenschönheit sich da gerade in Szene setzt: Wiesen-Pippau oder Habichtskraut? Es sind nicht die aparten Blüten, die Ihnen eine fundierte Antwort liefern, sondern die Blätter.

So sehen die Blätter des Wiesen-Pippaus aus

Als typische Halbrosettenpflanze verfügt Wiesen-Pippau sowohl über grundständige als auch am Stängel sitzende Blätter, die variabel geformt sein können.

Charakteristisch sind:

  • frischgrüne Blätter
  • länglich bis eiförmig, gebuchtet bis tief eingeschnitten (ähnlich wie Löwenzahn-Blätter)
  • mehrere Blätter entlang des Stängels
  • untere Stängelblätter gestielt, obere und mittlere sitzend
  • häufig pfeil- oder keilförmiger Blattgrund
  • zumeist nach unten gerichtete Blattzähne

Habichtskraut bildet eine ausgeprägte Blattrosette

Stellvertretend für die artenreiche Gattung der Habichtskräuter sei hier das weit verbreitete Gewöhnlichen Habichtskraut (Hieracium lachenalii) hervorgehoben. Der größte Teil seiner Blätter konzentriert sich auf eine grundständige Rosette.

Diese Grundblätter sind zumeist länglich bis lanzettlich geformt mit einem grob gezähnten Rand. Auf der Unterseite sind die Blätter rötlich bis purpurn überlaufen. Im Unterschied zum Wiesen-Pippau sind die Blattzähne aufwärts gerichtet, können aber auch ganz fehlen.

Am aufrechten Blütenstängel sitzen normalerweise nur wenige, wechselständige Blätter.

Aus der Ferne fällt dieser Unterschied ins Auge:

Habichtskraut: unten viel Blattwerk – oben nahezu kahler Stängel.
Wiesen-Pippau: deutlich mehr Blätter entlang des Stängels.

Blüten geben wenige Hinweise auf den Unterschied

Wiesen-Pippau und Habichtskraut anhand ihrer Blüten zu unterscheiden, ist eine echte Herausforderung. Beide Pflanzen gehören zu den Korbblütlern und tragen Körbchen, die aus vielen einzelnen gelben Zungenblüten bestehen.

Anhaltspunkt: Blütengröße

  • Wiesen-Pippau Blüten: 25 bis 35 Millimeter Durchmesser
  • Gewöhnliches Habichtskraut Blüten: 20 bis 25 Millimeter Durchmesser

Indiz: Behaarung unter den Blütenkörbchen

  • Wiesen-Pippau: wollig behaarte Blütenkorbschäfte, schwarz-grün, filzig-flockig behaarte äußere Hüllblätter, seidig behaarte innere Hüllblätter.
  • Gewöhnliches Habichtskraut: Hüllblätter meist haarlos bis dünn behaart; dafür die obere Stängelhälfte sternhaarig-grau, drüsig behaart.

Unterscheidungsmerkmal Standort

Ein Blick auf die Standortbedingungen gibt einen weiteren Hinweis, ob Sie Wiesen-Pippau oder Habichtskraut vor sich haben.

Wo wächst Wiesen Pippau?

Wiesen-Pippau gedeiht vornehmlich an vollsonnigen, warmen Standorten mit frischer bis feuchter Erde. Eine besondere Vorliebe hat die gelb blühende Naturschönheit für sonnendurchflutete Wiesen mit nährstoffreichen, lehmhaltigen Böden. Aber auch am Ufer stehender und fließender Gewässer fühlt ein Crepis biennis sich pudelwohl.

In Mähwiesen und Streuobstwiesen gibt Pippau freilich nur ein kurzes Stelldichein. Die zweijährige Staude verträgt weder Beweidung noch Mahd und kehrt nach dem ersten Mähen auch nicht wieder zurück. Wenn Sie Wiesen-Pippau im eigenen Garten pflanzen und pflegen möchten, ist die ungemähte Wildblumen genau der richtige Platz.

Wo wächst Habichtskraut?

Habichtskräuter siedeln sich am liebsten im geschützten Halbschatten an. An Standorten mit sandig-durchlässiger, trockener bis frischer und nährstoffarmer Erde bilden sich innerhalb kurzer Zeit dichte Bestände.

Aus diesem Grunde sind die leuchtend gelben Blütenkörbchen häufig in lichten Eichenwäldern zu bewundern. An Standorten mit praller Sonneneinstrahlung und reinen Sandböden fehlt das Habichtskraut ebenso, wie in rauen Lagen der Mittelgebirge. Die geschützten Säume des Schwarzwalds sind dagegen ganz nach seinem Geschmack. Wo Borstgräser und Blaugräser wachsen, sind zumeist auch Habichtskräuter anzutreffen. Paradebeispiel ist das Wald-Habichtskraut (Hieracium murorum), das Hobbygärtner als pflegeleichte Unterpflanzung von Gehölzen zu schätzen wissen.

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Grüner-Daumen-Tipp: Ausnahme von der Regel ist das Kleine Habichtskraut (Hieracium pilosella), das Sie als Bodendecker im Steingarten, auf der Mauerkrone und an anderen sonnigen Standorten pflanzen können.

Achtung: Habichtskraut ist eine artenreiche Gattung

Die größte Verwechslungsgefahr steckt in einem wichtigen botanischen Detail. Von den weltweit verbreiteten etwa 1.000 Hieracium-Arten kommen 180 Arten in Deutschland vor. Blattform, Behaarung, Anzahl der Stängelblätter und Wuchs können sich von Art zu Art deutlich unterscheiden. Deshalb kann es keinen einzigen Habichtskraut-Steckbrief geben, der für sämtliche Arten gleichermaßen gilt.

Der in diesem Ratgeber beschriebene Vergleich orientiert sich primär am Gewöhnlichen Habichtskraut (Hieracium lachenalii), einem typischen gelb blühenden Vertreter.

Pippau oder Habichtskraut? 5 Merkmale checken

  1. 1. Stehen viele Blätter am Stängel? → spricht für Wiesen-Pippau.
  2. 2. Sind die Blätter pfeilförmig? → starkes Indiz für Wiesen-Pippau.
  3. 3. Zeigen die meisten Blattzähne nach unten? → typisch für Wiesen-Pippau.
  4. 4. Bildet die Pflanze eine dichte Blattrosette und hat nahezu laublose Stängel? → charakteristisch für Habichtskraut.
  5. 5. Sind am oberen Stängel dunkle Drüsenhaare erkennbar? → Hinweis auf Gewöhnliches Habichtskraut.

Gefährlicher Pippau und Habichtskraut Doppelgänger: Jakobskreuzkraut erkennen

Eine echte Verwechslungsgefahr geht vom Jakobskreuzkraut (Senecio jacobaea) aus. Das gefürchtete Giftkraut aus der Familie der Greiskräuter sieht Pippau und Habichtskraut täuschend ähnlich. Alle Pflanzenteile enthalten Pyrrolizidinalkaloide, die für Mensch und Tier stark giftig sind. Ein Verzehr in größeren Mengen kann schwere Leberschäden verursachen, Krebs auslösen oder das Erbgut verändern. An folgenden Merkmalen ist das Jakobskreuzkraut zu erkennen:

  • Wuchshöhe: 30-120 cm
  • Wuchsart: zweijährige Staude mit grundständiger Blattrosette im 1. Jahr
  • Blätter: sommergrün, fiederschnittig mit rechtwinklig abstehenden Abschnitten, kahl oder spinnwebig, gezähnt
  • Blüten: gelbe, 1,5-2 cm breite Körbchen mit 12-15 Zungen- und zahlreichen Röhrenblüten
  • Blütenform: doldige Rispe mit zahlreichen Köpfchen
  • Blütezeit: Juni bis August
  • Früchte: braune Nüsschen mit weißem Haarkranz

Häufig gestellte Fragen

Sind Wiesen-Pippau und Habichtskraut miteinander verwandt?

Ja. Beide Wildblumen gehören zur Familie der Korbblütler (Asteraceae). Allerdings werden sie verschiedenen Gattungen zugeordnet: Wiesen-Pippau zur Gattung Crepis, Habichtskräuter zur Gattung Hieracium.

Was ist das beste Erkennungsmerkmal des Wiesen-Pippaus?

Ein wichtiger Anhaltspunkt sind seine Stängelblätter. Die oberen Blätter sitzen direkt am Stängel, besitzen häufig einen pfeil- oder keilförmigen Grund und umfassen ihn teilweise. Viele Blattzähne zeigen nach unten.

Kann man Pippau und Habichtskraut an den Blüten unterscheiden?

Die Blüten erlauben keine zuverlässige Unterscheidung. Denn sowohl Pippau als auch Habichtskraut tragen Körbchenblüten, die sich aus zahlreichen gelben Zungenblüten zusammensetzen. Im Gegensatz dazu liefern Blätter, Stängel, Wuchsform und Standort bessere Hinweise, um welche Art es sich handelt.

Ist in beiden Pflanzen Milchsaft enthalten?

Ja. Sowohl Wiesen-Pippau (Crepis biennis) als auch Habichtskraut-Arten (Hieracium) führen weißlichen Milchsaft. Aus diesem Grund eignet sich Milchsaft allein nicht als verlässliches Unterscheidungsmerkmal.

Kann man Wiesen-Pippau und Habichtskraut zusammen pflanzen?

Wenn Sie Wiesen-Pippau mit Habichtskraut kombinieren wollen, kommt es auf die Sorte an. Grundsätzlich unterscheiden sich die Standortanforderungen ziemlich deutlich. Wiesen-Pippau mag es sonnig mit frisch-feuchter, nährstoffreicher Erde. Habichtskräuter bevorzugen halbschattige Lagen mit magerer, überwiegend sandig-trockener Erde. Doch es gibt eine Ausnahme: Das Kleine Habichtskraut (Hieracium pilosella) hat sich an sonnige Standorte angepasst, sodass es sich als Pflanzpartner für Wiesen-Pippau hervorragend eignet.

Quellen: Wikipedia.org, Wiesen-Pippau und Wikipedia.org, Habichtskräuter und Wikipedia.org, Gewöhnliches Habichtskraut und Wikipedia.org, Kleines Habichtskraut und Naturadb.de, Hieracium pilosella und Oekologie-Seite.de, Hieracium pilosella und Oekologie-Seite.de, Crepis biennis und Wikipedia.org, Greiskräuter und Vetpharm.uzh.ch, Giftpflanzen Senecio

Den Fotografinnen und Fotografen herzlichen Dank!

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