Alpenkräuter

Färberkamille Aussaat & Pflege – Alpenkräuter im Garten

11.02.2026
Am richtigen Standort verwandelt die Färberkamille den Garten in ein Blütenmeer.
Am richtigen Standort verwandelt die Färberkamille den Garten in ein Blütenmeer.

Die Färberkamille (Anthemis tinctoria), auch Färber-Hundskamille genannt, ist eine echte Bereicherung für die alpine Gartengestaltung – robust, trockenheitsverträglich, strahlend gelb und ein Magnet für alles, was summt und brummt. Ihre Heimat sind die sonnigen, steinigen Regionen Europas bis in montane Höhen. Daher passt sie perfekt in Alpinarien, Steingärten und naturnahe Beete. In diesem Ratgeber erfahren Sie praxisbezogen und nachvollziehbar, wie Sie die Färberkamille richtig säen, pflanzen und pflegen.

Bild von enbodenumerCC BY-NC-SA 2.0

Das Wichtigste in Kürze

Blütezeit: Juni bis Oktober
Giftig? Nein, sondern essbar.
Heilwirkung? Nein, keine Heilpflanze
Standort: Volle Sonne
Boden: Trocken, mager, kalkhaltig, lehmig-sandig, steinig
Eigenschaften: Winterhart, insektenfreundlich, anspruchslos
Samen: Lichtkeimer, Normalkeimer
Besonderheit: Historische Färberpflanze für Baumwolle, Hanf, Leinen.
Verwendung: Alpinum, Steingarten, Wildblumenwiese, Bauerngarten, Bienenweide, Schnittblume

Färberkamille Bilder – So sieht die Färber-Hundskamille aus

Färberkamille Steckbrief

Historische botanische Illustration der Färberkamille mit allen Pflanzenteilen

Historische Illustration der Färberkamille – Gemeinfrei via wikimedia

Färberkamille lateinischer NameAnthemis tinctoria syn. Cota tinctoria
SynonymFärber-Hundskamille
PflanzenfamilieKorbblütler (Asteraceae)
HerkunftHeimisch in Europa
VorkommenKalk-Magerrasen, trockene, humusarme Steinböden vom Tal bis zur Baumgrenze
Wuchshöhe30-60 cm, selten bis 80 cm
WuchsformHalbrosettenpflanze, aufrecht, krautig, buschig verzweigt, horstig, behaart
WurzelHerzwurzler mit verholzendem Wurzelstock
BlütezeitJuni bis Oktober
BlüteEndständiges Körbchen mit goldgelben Zungenblüten
FrüchteSamen mit Pappus
BlätterWechselständig, gefiedert, schmal-lanzettliche Blattzipfel
StandortSonnig
BodenTrocken, steinig, sandig, nährstoffarm, kalkhaltig
WinterhärteWinterhart bis -23 Grad Celsius
ÖkologieInsektenfreundlich, Nektar- u. Pollenwert 2/4
GiftigkeitUngiftig, essbar
Status NaturschutzHäufig, nicht gefährdet, nicht besonders geschützt
VerwendungAlpinum, Naturgarten, Steingarten, Bienenweide, Schnittblume

💡 Achtung Verwechslungsgefahr: Mit ihren gelben Körbchenblüten sieht die Färberkamille einer Arnika (Arnica montana) zum Verwechseln ähnlich. Das kann fatale Folgen haben, denn im Gegensatz zur ungiftigen, essbaren Färber-Hundskamille, kann die giftige Arnika beim Verzehr Übelkeit und Erbrechen verursachen. Wichtigstes Unterscheidungsmerkmal ist die Blattform. Färberkamillen-Blätter sind gefiedert und tief eingeschnitten. Arnika-Blätter sind ganzrandig, eiförmig und vier- bis siebennervig.

☀️ Der richtige Standort für Färberkamille

In den Alpen wächst die Färberkamille auf sonnendurchfluteten, trockenen Magerrasen, an Wegrändern, auf Ödland und an steinigen Berghängen. Eine besondere Vorliebe zeigt die Alpenblume für humusarme, kalkreiche Steinböden. Der ideale Standort im Garten sollte die natürlichen Rahmenbedingungen möglichst realistisch widerspiegeln:

  • ✅ Vollsonnig und warm, sommerliche Hitze begünstigt die Blütenpracht.
  • ✅ Trocken, kalkhaltig, nährstoffarm, sandig-kiesig bis steinig.
  • ✅ Premium-Standorte: Steingarten, Alpinum, Magerwiese, sonnige Böschungen.

Nicht geeignet sind schattige Plätze mit feuchter, nasser, nährstoffreicher und saurer Erde. Für diese Lagen empfehlen sich andere Alpenkräuter, wie die ebenfalls gelb blühende Wiesen-Pippau (Crepis biennis), das purpurrote Sumpf-Blutauge (Potentilla palustris) und die heilkräftige Bach-Nelkenwurz (Geum rivale).

Pfeil mit der Aufschrift „Tipps & Tricks“ auf grünem Hintergrund für Gartenratgeber.

Boden verbessern für die Färberkamille – Tipps

Wenn Sie nicht auf alternative Pflanzen zurückgreifen möchten, können Sie die Gartenerde verbessern und so auf die Ansprüche der Färberkamille abstimmen. Feuchter bis nasser Boden gewinnt an Durchlässigkeit, indem Sie pro qm 4-5 l groben Sand oder feinen Kalksplitt einarbeiten. Die Zugabe von reichlich Sand reduziert außerdem den Nährstoffgehalt

Mit Lackmuspapier (Amazon) ermitteln Sie in wenigen Sekunden den pH-Wert des Gartenbodens. Ergibt der Test einen sauren pH-Wert < 6,5, mischen Sie Rasen- oder Gartenkalk unter die Erde.

Blick in ein Gartenbeet mit blühenden Färberkamillen der Sorte E.C.Buxton neben roten Rosen
Man kann Färberkamillen (hier die weiße Sorte E.C. Buxton) auch direkt ins Rosenbeet säen für einen wild-romantischen Blüheffekt.

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Färberkamille Aussaat – Anleitung

Die Färberkamille lässt sich ganz einfach aus Samen ziehen. Sie eignet sich sowohl für die Direktsaat ins Beet als auch für die Vorkultur im Topf. Wichtig zu beachten ist, dass die Alpenblume zu den Lichtkeimern gehört. Liegen die Samen unter einer dicken Erdschicht, findet keine Keimung statt.

  • Vorziehen (ab März): In Schalen auf der hellen, nicht vollsonnigen Fensterbank. Samen nur leicht andrücken, nicht mit Erde bedecken. Bei ca. 18–20 °C keimen sie innerhalb von 2 bis 4 Wochen.
  • Direktsaat (von April bis August): Direkt ins Freiland auf einen feinkrümeligen Boden. Die Samen mit Sand mischen, ausstreuen, festwalzen oder mit Brettchen andrücken und mit feiner Brause feucht (keinesfalls nass) halten.

Keimlinge mit mindestens 4 echten, gefiederten Blättern über den beiden Keimblättchen verziehen Sie auf einen Abstand von 45 cm.

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Grüner-Daumen-Tipp: In humusarmer, magerer Erde bleiben Färberkamillen kompakt und standfest. Zu viele Nährstoffe machen die Stängel weich, sodass sie umknicken. Darum keinen Kompost unter die Saaterde mischen.

Gestaltungsidee mit Färberkamille, Buddleja davidii und Heliopsis im Sommergarten
Fantasievolle Pflanzidee mit Färberkamillen, Schmetterlingsflieder (Buddleja davidii), Clematis triternata ‚Rubromarginata‘ und Sonnenauge (Heliopsis ‚Summer Nights‘).

Bild von K MCC BY 2.0

Färberkamille pflanzen – Anleitung

Die beste Pflanzzeit ist im Frühling von April bis Juni. Grundsätzlich können Sie selbst gezogene oder gekaufte Jungpflanzen jederzeit einpflanzen, sofern der Boden nicht gefroren ist. So pflanzen Sie die Färber-Hundskamille in 5 Schritten richtig:

1. Wurzeln tränken: Stellen Sie den Topfballen für einige Minuten in normales Leitungswasser.

2. Bodenvorbereitung: Graben Sie für den Herzwurzler den Boden spatentief um, lockern die Erde und mischen Sand oder Kalksplitt unter den Aushub. Nur in sehr karge Gartenerde geben Sie noch eine Handvoll Hornspäne als Startdüngung dazu.

3. Pflanzung: Setzen Sie den ausgetopften, wassergetränkten Wurzelballen in eine etwa doppelt so große Pflanzgrube so tief ein, wie zuvor im Anzuchttopf. Gießen Sie durchdringend an, aber vermeiden Sie Staunässe.

4. Pflanzabstand: Der richtige Abstand beträgt 40-45 cm. Für ein flächendeckendes Wachstum setzen Sie pro m² 4 bis 6 Jungpflanzen.

5. Mulchen: Wenn Sie die Wurzelscheibe dünn mulchen, wird Unkraut unterdrückt und die Erde bleibt länger feucht. Das ist in der Anfangsphase wichtig, denn die Trockenheitsverträglichkeit stellt sich erst ein, wenn sich ein kräftiger Wurzelstock gebildet hat.

Pflegeanleitung für die Färberkamille

Erfolgsgeheimnis der richtigen Pflege einer Färber-Hundskamille ist die Kunst des Weglassens.

1️⃣ Gießen nur bei Bedarf

Ist die Färberkamille erst einmal gut angewachsen, versorgt sie sich selbst mit Wasser. Darum ist Gießen nur bei längerer Trockenheit nötig. Für das Herzwurzelsystem ist es besser, ein- bis zweimal wöchentlich durchdringend zu gießen, statt täglich in kleinen Mengen.

2️⃣ Färberkamille nicht düngen.

Die Wildstaude benötigt keinen Dünger. In sehr mageren Böden im Frühjahr ein wenig Kompost oder Hornspäne einzuarbeiten genügt. Nährstoffbedarf ist zu erkennen an blassen Blattfarben und wenigen Blüten.

3️⃣ Rückschnitt verlängert die Blütezeit

Schneiden Sie die Färberkamille nach der ersten Hauptblüte Ende Juli um ein Drittel zurück. Der Rückschnitt ermuntert die Staude zu einer hübschen Nachblüte im Spätsommer. Im Frühjahr ist die beste Zeit für den bodenebenen Staudenschnitt.

4️⃣ Ochsenauge Pflanze benötigen keinen Winterschutz.

In ihrem alpinen Lebensraum hat die Färberkamille gelernt, bei klirrendem Frost zu überleben. Darum ist in Gartenkultur kein Winterschutz erforderlich.

5️⃣ Krankheiten und Schädlinge sind selten

Am richtigen Standort ist die Färberkamille widerstandsfähig gegen Krankheiten und Schädlinge. Zu häufiges Gießen kann Staunässe und damit Wurzelfäule verursachen. Der Schaden ist irreversibel. Betroffene Pflanzen sollte man ausgraben und entsorgen. In Gärten mit einem hohen Schneckenaufkommen schützen ein Schneckenkragen oder Schneckenzaun die Färber-Hundskamille vor Kahlfraß.

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Grüner-Daumen-Tipp: Die Färberkamille ist zwar ausdauernd, aber gelegentlich kurzlebig (3–4 Jahre). Lassen Sie von der Nachblüte einige Samenstände stehen, damit sie sich durch Selbstaussaat am Standort erhalten kann.

In einer Wildblumenwiese gedeihen Färberkamille und Schafgarbe zusammen
Schafgarben gehören zu den guten Nachbarn für Färberkamille.

Bild von Andreas RocksteinCC BY-SA 2.0

Färberkamille gute Nachbarn

Da die Färberkamille eine echte Sonnenanbeterin ist und trockene, magere Böden liebt, sollten ihre Nachbarn ähnliche Ansprüche haben. Kombinationen aus dem dem strahlenden Gelb der Kamille mit violetten und silbrig blaugrünen Optisch sieht die Kombination aus dem strahlenden Gelb der Kamille und violetten oder blaugrünen Tönen besonders edel aus.

1. Der klassische Farbkontrast (Violett & Blau)

Diese Pflanzen blühen oft zeitgleich und bilden einen wunderschönen Komplementärkontrast zum satten Gelb der Färberkamille:

  • Salbei (Salvia): Seine aufrechten, violetten Blütenkerzen kontrastieren eindrucksvoll zu den sternenförmigen Blütenköpfen der Färberkamille.
  • Kugeldisteln (Echinops): Ihre stahlblauen Blütenkugeln und silbrig-grünen Fiederblätter setzen anmutige Akzente.
  • Lavendel (Lavandula angustifolia): Bildet mit Färberkamille ein gelb-blaues Duett, das die alpine Gartengestaltung mit mediterranem Flair ergänzt.

2. Strukturgeber und Gräser

Gräser bringen Leichtigkeit und Bewegung ins Beet, besonders wenn der Wind durchweht:

  • Zartes Federgras (Stipa tenuissima): Die feinen, mähnenartigen Halme umspielen die kräftigen Stängel der Färberkamille und lassen das Beet sehr natürlich wirken.
  • Blauschwingel (Festuca glauca): Seine stahlblauen Graspolster passen farblich hervorragend zum gelben Blütenmeer.

3. Ökologisch wertvolle Bodendecker

Erst mit den richtigen Bodendeckern ist der naturnahe bienenfreundliche Alpengarten komplett.

  • Alpen-Gänsekresse (Arabis alpina) bildet immergrüne Bodenpolster mit weißen Blüten von März bis September.
  • Echter Alpen-Enzian (Gentiana clusii) liegt der Färberkamille mit leuchtend blauen Blüten dekorativ zu Füßen.
  • Die immergrüne Silberwurz (Dryas) wird 15 cm hoch und blüht im Sommer mit weißen, bienenfreundlichen Schalenblüten.

Fazit

Die Färberkamille ist eine pflegeleichte, sonnenhungrige Staude für trockene, magere Standorte. Mit ihren leuchtend gelben Blüten bringt sie monatelang Farbe ins Beet und lockt zahlreiche Insekten an – ein echtes Highlight und ökologisches Juwel für naturnahe und alpine Gärten.

Häufig gestellte Fragen

Ist die Färberkamille bienenfreundlich?

Ja, die Färberkamille (Anthemis tinctoria) ist eine wertvolle Bienenweide. Neben Honigbienen fliegen 72 Wildbienen-Arten die nektarreichen Körbchenblüten an. Davon haben sich 11 Arten auf den Pollen und Nektar spezialisiert, wie die stark gefährdete Flockenblumen-Langhornbiene (Eucera dentata) und Standaster-Seidenbiene (Colletes halophilus). Außerdem sind Färberkamillen für 25 Schwebfliegen-Arten ein beliebtes Anflugziel.

Ist die Färberkamille giftig?

Nein, die Färberkamille (Anthemis tinctoria) gilt als ungiftig. Tatsächlich sind ihre gelben Blüten sogar essbar und werden in der naturnahen Küche gerne als dekorative Zutat für kalte und warme Speisen verwendet.

Gedeiht die Färberkamille mehrjährig?

Ja, die Färberkamille ist eine winterharte und mehrjährige Staude. Allerdings wird ihr eine recht kurze Lebensdauer attestiert. Durch fleißige Selbstaussaat sorgt die Alpenblume für kontinuierlichen Nachwuchs im Garten. Hierzu müssen einzig einige der verwelkten Blüten stehen bleiben, damit sich Samen bilden.

Sollte man die Färberkamille düngen?

Nein, die Färberkamille bevorzugt humusarme, magere Böden. Darum sollte man sie nicht düngen. Mit ihrer Vorliebe für karge Erde stärkt die Färber-Hundskamille ihre Konkurrenzfähigkeit, denn sie gedeiht auch dort in voller Pracht, wo die meisten Stauden mangels Nährstoffen ihren Lebensmut verlieren.

Quellen: Wikipedia.org, Färberkamille und Naturadb.de, Anthemis tinctoria und Saatgut-Vielfalt.de, Färberkamille und Oekologie-Seite.de, Anthemis tinctoria und Baumschule-Horstmann.de, Färber-Hundskamille

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