In der Welt der Alpenkräuter gibt es Pflanzen, die mit kerniger Robustheit begeistern, und solche, die uns mit märchenhafter Schönheit faszinieren. Der Fieberklee (Menyanthes trifoliata) schafft beides. Wer ihn einmal an einem stillen Bergsee in der Morgensonne gesehen hat, versteht, warum er in jede ernstzunehmende Wildkräuter-Sammlung gehört.
Er ist weder ein echter Klee, noch als klassisches Fiebermittel bekannt – und doch ist er ein legendäres Juwel der alpinen Naturheilkunde. Mit seinen schneeweißen, dekorativ gefransten Blüten, die wie kleine Sterne über dem Wasser schweben, ist Fieberklee nicht nur eine Bienen- und Augenweide, sondern auch ein echtes Kraftpaket für unsere Verdauung.

Das Beitragsbild ist von NorbertWLang – CC BY-SA 3.0
Das Wichtigste zum Fieberklee
Fieberklee (Menyanthes trifoliata), auch Bitterklee genannt, ist eine sommergrüne, kriechende Sumpf- und Uferpflanze mit gefransten, weißen Sternenblüten von April bis Juni. Die heimische Wildblume mit den kleeähnlichen Blättern wird 15-30 cm hoch und bildet bis zu 60 cm lange Ausläufer.
- Heilwirkung: Verdauungsfördernd, appetitanregend, krampflösend.
- Hauptanwendungen: Verdauungsbeschwerden aller Art.
- Standort: Sonnig bis halbschattig.
- Boden: sumpfig, 0-20 cm Wassertiefe, mager, kalkarm.
- Eigenschaften: Winterhart, bienenfreundlich, schwach giftig, sehr pflegeleicht.
- Besonderheiten: Blume des Jahres 2020, gefährdet und darum streng geschützt.
- Verwendung: Uferpflanze, Moorbeet, Flachwasser, Bienenweide, Heilpflanze.
Fieberklee Bilder

Blütenstand
Von Nirno – gemeinfrei


Ist Fieberklee eine Heilpflanze?
Ja, seit dem Mittelalter wird Fieberklee nicht nur im Alpenraum, sondern in ganz Europa als Heilpflanze geschätzt. Es enthält eine hohe Konzentration an Bitterstoffen, Flavonoiden und Gerbstoffen. Seine Heilwirkung wird beschrieben als verdauungsfördernd, appetitanregend, krampflösend und harntreibend. Wie sein entfernter Verwandter, der legendäre Gelbe Enzian (Gentiana lutea), wird Fieberklee als Bittermittel verwendet zur Behandlung folgender Beschwerden:
- Verdauungsstörungen
- Appetitlosigkeit
- Blähungen, Völlegefühl, Magendrücken
- Sodbrennen, saures Aufstoßen
Die namensgebende Heilwirkung gegen Fieber wird von Medizinern und Heilkundlern aufgrund der Inhaltsstoffe bezweifelt.

Vorsicht: Fieberklee ist wirklich sehr bitter mit einem stark schwankenden Bitterwert von etwa 1:1000 bis 1:10.000 und gilt daher als leicht giftig. Eine falsche Dosierung kann schwere Nebenwirkungen verursachen, wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Kopfschmerzen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, Apotheker oder Heilpraktiker, bevor Sie Fieberklee als Heilpflanze anwenden.
🚫Kontraindikationen sind: Darmentzündungen, Durchfall, Magengeschwüre. Während der Schwangerschaft und Stillzeit sollte Fieberklee grundsätzlich nicht eingenommen werden.
Fieberklee Steckbrief
Bild von Stefan.lefnaer – CC BY-SA 4.0

Bild von Ewald Gabardi – CC BY-SA 3.0
💦 Fieberklee Standort: Nasse Füße sind Pflicht
Der Fieberklee ist eine Sumpf- und Wasserrandpflanze. Wer ihn im trockenen Staudenbeet pflanzt, wird nach seinen malerischen Blüten vergeblich Ausschau halten. In den Alpen besiedelt er als Pionierpflanze Verlandungszonen von Seen und Mooren vom Tal bis auf 2.400 m üNN.
- Pflanztiefe: Fieberklee liebt Wassertiefen von 0 bis 20 cm. Er fühlt sich also am Gartenteich in der Sumpfzone oder im Flachwasser am wohlsten.
- Licht: Vollsonnig bis halbschattig. Je mehr Sonne, desto üppiger fällt die Blüte aus.
- Boden: Vorzugsweise nährstoffarmes, eher saures Substrat (typisch Moor). Handelsübliche Teicherde, gemischt mit etwas Sand oder ungedüngtem Torfersatz, funktioniert wunderbar.

Grüner-Daumen-Tipp für Kübel-Gärtner: Sie haben keinen Teich? Das ist kein Grund, auf den magischen Fieberklee zu verzichten. Er gedeiht hervorragend in einem geschlossenen Tonkübel, halbiertem Weinfass oder einer ausgedienten Zinkwanne. Einfach mit Moorbeet-Erde füllen und ein paar Zentimeter Wasser über der Erde stehen lassen.

Bild von Ryan Hodnett – CC BY-SA 4.0
☘️ Pflanzung von Fieberklee – Anleitung
In der freien Natur ist Fieberklee besonders geschützt. Darum ist das Ausgraben streng verboten und auch nicht nötig. In jeder gut sortierten Wasserpflanzen-Gärtnerei kann man pflanzfertige Jungpflanzen günstig kaufen.
- Pflanzzeit: Idealerweise im Frühjahr (März bis Mai), grundsätzlich ganzjährig, solange es frostfrei ist.
- Technik: Weil Fieberklee lange Ausläufer bildet, pflanzt man ihn am besten in Pflanzkörbe. Das verhindert, dass er den ganzen Teich übernimmt und kann die Ausbreitung problemlos kontrollieren.
- Abstand: Geben Sie ihm mindestens 30 cm Platz nach allen Seiten. Er breitet sich teppichartig aus und bildet mit der Zeit wunderschöne, teilweise schwimmende Matten.
👉 Fieberklee setzt man nicht unter Wasser sondern an den Teichrand. Von dort wird er sich mit den Jahren auch ins Wasser vorarbeiten.

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Fieberklee Pflege
Der Fieberklee ist sehr pflegeleicht – unter einer Voraussetzung: Er darf niemals austrocknen.
💧 Gießen nur im Topf
Im Teich erledigt sich die Wasserversorgung von selbst. In einem Miniteich oder Kübel ist vor allem im Sommer regelmäßiges Gießen wichtig, damit der Wasserpegel nicht sinkt. Verwenden Sie überwiegend gesammeltes Regenwasser oder gut abgestandenes Leitungswasser.
🍽️ Düngen nicht nötig
Die Gabe zusätzlicher Nährstoffe ist überflüssig. Zu viel Stickstoff lässt am Fieberklee zwar die Blätter wuchern, unterdrückt aber die wunderschönen Blüten.
❄️Überwintern
Fieberklee ist absolut winterhart. In den Alpen überdauert er unter dicken Eisschichten. Dann zieht sich die Wasserpflanze in ihr Rhizom zurück und wartet geduldig auf das Frühjahr.
✂️Schneiden fördert die Nachblüte
Wenn Sie die verwelkten Blütenstände zurückschneiden bis zu den Blättern, ermuntern Sie den Fieberklee zu einer schönen Nachblüte im Spätsommer. Um die Selbstaussaat zu verhindern, entfernen Sie die verwelkten Blütenstände rechtzeitig vor der Samenbildung.
✂️ Fieberklee ernten und verwenden
Geerntet werden die Fieberklee Blätter, denn darin stecken die heilkräftigen Bitterstoffe. So ernten und verwenden Sie das alpine Heilkraut richtig:
- Erntezeit: Bester Zeitpunkt ist während der Blütezeit im Mai und Juni.
- Ernteschnitt: Mit einer Kräuterschere grüne, fleckenfreie Blätter mit einem Stückchen des Blattstiels abschneiden.
- Trocknen: Am schattigen, regengeschützten Standort die Blätter trocknen lassen.
- Lagern: Die getrockneten Fieberklee-Blätter zerkleinern und in ein dunkles Schraubglas füllen.
- Haltbarkeit: Bei dunkler, trockener Lagerung ist das Kraut bis zu 3 Jahre haltbar.
Fieberklee Tee bereiten Sie nach folgendem Rezept zu: Man gebe 1 Teelöffel der getrockneten Blätter in eine Tasse und gieße sprudelnd kochendes Wasser darüber. 5 bis 10 Minuten ziehen lassen und abseihen. Zur Linderung von Verdauungsbeschwerden trinken Sie den ungesüßten Tee schluckweise. Die Tages-Höchstdosis beträgt 2 bis 3 Tassen.

Grüner-Daumen-Kräuter-Tipp: Fieberklee Tee ist wirklich sehr bitter. Für einen besseren Kräutergeschmack eignet sich eine Mischung aus Fieberklee, Salbei, Tausendgüldenkraut und Wermut zu gleichen Teilen.
☘️Rezept für hausgemachte Alpen-Bitter-Tinktur mit Fieberklee

Bild von 4028mdk09 – CC BY-SA 3.0
🤝Gute Nachbarn für Fieberklee
Die idealen Pflanzpartner für Fieberklee sind heimische, alpine Sumpf- und Wasserrandpflanzen, die ebenfalls die Sonne lieben und eine Vorliebe für nasse Füße haben.
🔹Wollgräser (Eriophorum) begleiten Fieberklee in den Alpen mit flauschigen, weißen Köpfchen ab Juni.
🔹Sumpf-Blutauge (Potentilla palustris) trägt von Mai bis September purpurrote Blüten und bildet dichte Teppiche.
🔹Butterblume (Ranunculus lingua), die alpine Uferpflanze mit sonnengelben Blüten von Mai bis September.
🔹 Bach-Nelkenwurz (Geum rivale), bildet wintergrüne Blattrosetten und trägt malerische Blüten von April bis Juli.
🔹Echtes Mädesüß (Filipendula ulmaria) wird bis 150 cm hoch und eignet sich als Kulissenpflanze am sicherfeuchten Teichufer mit cremeweißen Blüten von Juni bis August.
🔹Huflattich (Tussilago farfara) blüht ab Februar mit leuchtend gelben Körbchenblüten, bevor die hufförmigen Blätter sprießen.

Bild von ElliOrtner – CC BY-SA 4.0
Häufig gestellte Fragen:
Ist der Fieberklee bienenfreundlich?
Ja, Fieberklee ist eine wertvolle Nahrungsquelle für Hummeln, Wildbienen und Schwebfliegen. Die weißen Fransen auf den Blüten dienen als Sperrvorrichtung für kleine Insekten, die als Bestäuber nicht willkommen sind. Für dicke Brummer stellen die hübschen Fransen kein Hindernis dar auf dem Weg zur reichhaltigen Nektar- und Pollenernte.
Ist der Fieberklee giftig?
Ja, Fieberklee wird als schwach giftig eingestuft, denn er enthält eine hohe Konzentration an Bitterstoffen, Flavonoiden und Gerbstoffen. In der richtigen Dosierung wirken die Inhaltsstoffe heilsam bei Verdauungsbeschwerden aller Art. Der Verzehr von Fieberklee in größeren Mengen kann dagegen typische Vergiftungssymptome verursachen, wie Übelkeit, Erbrechen und starke Kopfschmerzen.
Steht Fieberklee unter Naturschutz?
Ja, Fieberklee ist im Bestand gefährdet und gehört darum zu den besonders geschützten Pflanzen. Demzufolge darf die Wildstaude in der Natur weder gepflückt, noch ausgegraben oder anderweitig gestört werden. Jungpflanzen für den eigenen Garten kann man bei spezialisierten Händlern aus kontrolliertem Anbau kaufen.
Quellen: Wikipedia.org, Fieberklee und Naturadb.de, Menyanthes trifolium und Oekologie-Seite.de, Menyanthes trifolium und Heilkraeuter.de, Fieberklee und Nordischer-Shop.at, Fieberklee, Bitterklee und Rote-Liste-Zentrum.de, Menyanthes trifolium
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