Das Orangerote Habichtskraut (Hieracium aurantiacum) ist ein Juwel der Alpenkräuter mit leuchtenden Blüten, das sich auch im Garten pudelwohl fühlt. Mit anspruchsloser Genügsamkeit macht sich der alpine Korbblütler nützlich als Bodendecker, Bienenweide und Schmetterlingsmagnet auf kargen Böden, an denen andere Stauden sich nicht blicken lassen. In diesem Ratgeber erfahren Sie ganz konkret, wie Sie das Orangerote Habichtskraut richtig pflegen, seinen überschwänglichen Ausbreitungsdrang im Zaum halten und ihm die perfekten Pflanzpartner zur Seite stellen.
Das Beitragsbild ist von Jimmy Emerson – CC BY-NC-ND 2.0
⚡️Das Wichtigste in Kurzfassung
Das Orangerote Habichtskraut (Hieracium aurantiacum) ist eine ausdauernde, krautige Alpenpflanze, die in Gartenkultur etwa 10 bis 30 cm hoch und ebenso breit wird. Markante Merkmale sind die behaarten Blätter, die als Rosetten den Boden bedecken, und leuchtende, dichte Blütenköpfe von Juni bis August. Gärtnerisch interessante Fakten sind:
✅ Standort: Sonnig, verträgt Sommerhitze.
✅ Boden: Trocken, nährstoffarm, steinig, vorzugsweise schwach sauer bis neutral.
✅ Eigenschaften: Winterhart, mehrjährig, insektenfreundlich, ungiftig und essbar.
✅ Besonderheiten: Breitet sich durch Ausläufer und Flugsamen eifrig aus → super Bodendecker.
✅ Alpen-Faktor: Orangerotes Habichtskraut bereichert den Garten mit dem Flair einer leuchtenden Bergsommer-Wiese.
Orangerotes Habichtskraut Steckbrief
📸 Orangerotes Habichtskraut Bilder
Blütenstand des Orangeroten Habichtskrauts
Behaarte Blattrosette
Typischer Habitus
Orangerotes Habichtskraut mit Knospen, Blüten und Fruchtstand
Bilder v.o.n.u. von Ralph auf Pixabay und Katrin Schneider, korina.info – CC BY-SA 4.0 und Orchi – CC BY-SA 3.0 und Orchi – CC BY-SA 3.0

Orangerotes Habichtskraut ist eine historische Heilpflanze
Schon im Mittelalter war das Orangerote Habichtskraut als Heilpflanze bekannt. Heilkräftig wirksame Inhaltsstoffe sind in erster Linie Flavonoide, Gerbstoffe, Curamine und Schleimstoffe.
☘️ Historisch überlieferte Habichtskraut Heilwirkungen
💡 Gut zu wissen: In früheren Zeiten wurde das Habichtskraut vor allem als Heilpflanze mit sehkraftstärkender Wirkung geschätzt. Es hieß, nach regelmäßigen Augenspülungen könnte man so scharf sehen, wie ein Habicht. Inzwischen hat sich diese Heilwirkung als Irrtum herausgestellt.
☘️Anwendungen von Orangerotem Habichtskraut als Heilpflanze
Als Heilpflanze wird Orangerotes Habichtskraut zumeist als Tee angewendet. Für die Zubereitung werden die Blüten und Blätter frisch oder getrocknet mit sprudelnd kochendem Wasser übergossen. 10 Minuten ziehen lassen und in kleinen Schlucken genießen. Die durchschnittliche Tagesdosis beträgt zwei Tassen Tee. Doch Vorsicht! Lesen Sie die folgenden Hinweise:
💡 Nebenwirkungen: Orangerotes Habichtskraut wird nur noch sehr selten heilkundlich genutzt. Die schwankende Konzentration der Inhaltsstoffe macht die richtige Dosierung sehr schwierig. Insbesondere die Aufnahme hoher Gerbstoffmengen kann schwerwiegende Nebenwirkungen verursachen, wie Übelkeit, Verstopfung, Austrocknung der Schleimhäute und schlimmstenfalls eine Leberschädigung.
🚫 Schwangere und Stillende: Sollten auf die Anwendung des Orangeroten Habichtskrauts als Heilpflanze verzichten oder nur nach Rücksprache mit einem Arzt oder Apotheker anwenden.

☀️ Orangerotes Habichtskraut Standort & Boden
In den Alpen besiedelt das Orangerote Habichtskraut sonnige, magere Bergwiesen, gerne auch Zwergstrauchheiden und Felsgeröll bis auf 3.000 m Höhe. Je besser der Standort im Garten die natürlichen Rahmenbedingungen nachahmt, desto prächtiger die Blütefarbe:
Ideale Lichtverhältnisse
Optimaler Gartenboden für Orangerotes Habichtskraut
Nicht als Standort geeignet sind schattige Plätze mit verdichteter, nasser, nährstoffreicher und kalkreicher Erde. Für diese problematischen Bedingungen zeigen andere Alpenkräuter auf, wie die Bach-Nelkenwurz (Geum rivale) und die Goldnessel (Lamiastrum galeobdolon).

Bild von David Short from Windsor, UK – CC BY 2.0

Orangerotes Habichtskraut pflanzen – Anleitung
Die beste Pflanzzeit ist im Frühling von März bis Mai oder im Herbst von September bis Oktober. So pflanzen Sie das Orangerote Habichtskraut in 5 Schritten richtig:
1. Wurzeln tränken: Stellen Sie den Wurzelballen mit Topf für einige Minuten in kalkarmes Wasser.
2. Bodenvorbereitung: Graben Sie den Boden um, entfernen das Unkraut und lockern die Erde. Als Drainage mischen Sie Sand, Splitt oder feinen Kies unter, denn Staunässe ist der größte Feind.
3. Pflanzung: Heben Sie für jede Habichtskraut Jungpflanze ein Loch aus, das etwa doppelt so groß, wie der Wurzelballen ist. Setzen Sie die Pflanze bis zur Blattrosette in die Erde und gießen durchdringend an mit kalkarmem Wasser.
4. Pflanzabstand: Der richtige Pflanzabstand beträgt 20-30 cm. Für ein flächendeckendes Wachstum als Bodendecker setzen Sie 8-10 Pflanzen je qm.
5. Mulchen: Wenn Sie die Wurzelscheibe mit einer dünnen Sandschicht mulchen, wird Unkraut unterdrückt und die Erde bleibt länger feucht. Konkurrenzdruck durch Unkraut und Trockenstress sind die häufigsten Ursachen, wenn das Orangerote Habichtskraut nicht anwächst.

Bild von Anneli Salo – CC BY-SA 3.0

Grüner-Daumen-Zwischenfrage: Wie kann man Orangerotes Habichtskraut am Wuchern hindern?

Orangerotes Habichtskraut Pflege
Bis ein Orangerotes Habichtskraut angewachsen ist, halten Sie den Boden leicht feucht und zupfen regelmäßig das Unkraut aus. Eine etablierte Pflanze unterdrückt das Unkraut aus eigener Kraft und deckt den Wasserbedarf über die langen Ausläufer.
💧 Orangerotes Habichtskraut sparsam gießen
🚫 Orangerotes Habichtskraut nicht düngen
✂️ Rückschnitt nur bei Bedarf
❄️ Orangerotes Habichtskraut überwintern

Bild von Udo Schmidt – CC BY-SA 2.0
Orangerotes Habichtskraut vermehren
Die Teilung des Wurzelballens ist eine einfache Methode für die vegetative Vermehrung (Eigenschaften der Mutterpflanze bleiben erhalten). Hierzu müssen Sie nicht die komplette Pflanze ausgraben. Stechen Sie einfach von einem kräftigen Ausläufer ein Stück ab und heben es mitsamt der Feinwurzeln aus der Erde. Am neuen Standort pflanzen Sie den Ableger wieder ein. Bester Zeitpunkt ist im Frühjahr, sobald der Boden nicht mehr gefroren ist.
Die generative Vermehrung gelingt mühelos, indem Sie verwelkte Blütenstände nicht abschneiden und auf diese Weise die Selbstaussaat zulassen. Habichtskraut Samen sind Normalkeimer und Lichtkeimer. Für eine kontrollierte Aussaat drücken Sie die behaarten Samen nur an und halten das Saatbeet leicht feucht. Beste Zeit ist von März bis Juni.

Die besten Pflanzpartner für das Orangerote Habichtskraut
Das Orangerote Habichtskraut ist ein alpiner „Wildfang“, der aus seinem Streben nach absoluter Dominanz im Garten keinen Hehl macht. Darum braucht er Nachbarn, die seinem Konkurrenzdruck standhalten und ähnliche Licht- und Bodenverhältnisse bevorzugen. Lassen Sie sich von den folgenden Gestaltungstipps inspirieren:
✅ Der Kontrast-Look: Kombinieren Sie das Habichtskraut mit Berg-Flockenblumen (Centaurea montana) und Alpen Enzian (Gentiana acaulis), deren blaue Blüten eine prächtige Bühne bilden für das leuchtende Orangerot.
✅ Der Alpin-Look: Mit dem cremeweiß blühenden Moos-Steinbrech (Saxifraga bryoides) und dem himmelblauen Himmelsherold (Eritrichium nanum), stellen Sie Habichtskraut robuste Pflanzpartner zur Seite, die sich nicht unterkriegen lassen. Mit dem purpurrosa blühenden, bis 120 cm hohen Heilziest (Betonica officinalis) und dem bis 150 cm hohen Blauen Eisenhut (Aconitum napellus) als Leitstauden, gestalten Sie ein Erscheinungsbild, das an farbenprächtige Bergwiesen erinnert.
✅ Die alpine Trockenmauer Optik: Wenn sich in Ihrem Garten eine Trockenmauer befindet, setzen Sie das Orangerote Habichtskraut gemeinsam mit dem hellblauen Enzian-Ehrenpreis (Veronica gentianoides), zart rosa blühender, Großer Sterndolde (Astrantia major) und weißer Alpen-Prachtnelke (Dianthus superbus subsp. alpestris) als Saumbepflanzung davor. Auf die Mauerkrone und in den Fugen pflanzen Sie Blaukissen (Aubrieta) und die zierliche Alpen-Grasnelke (Armeria alpina).

Fazit – Orangerotes Habichtskraut entfacht Alpenglühen im Garten
Das orangerote Habichtskraut ist eine ideale Pflanze für alle Hobbygärtner, die pflegeleichte, bienenfreundliche Alpenblumen lieben und ihrem Garten einen naturnahen, wilden Charakter verleihen möchten. Seine intensiv orangefarbenen Blüten setzen lebendige Farbakzente in Steingärten, Magerwiesen und Alpinarien. Doch Vorsicht: Seine energische Ausbereitungsfreude sollte man nicht unterschätzen. Ein rechtzeitiger Rückschnitt und Wurzelsperren zeigen dem Alpenkraut seine Grenzen auf. Damit wird das Orangerote Habichtskraut für kleine und große Naturgärten nicht nur eine ökologische Bereicherung, sondern auch ein dekorativer Botschafter der Alpenflora.
Quellen: Wikipedia.org, Orangerotes Habichtskraut und Naturadb.de, Hieracium aurantiacum und Oekologie-Seite.de, Hieracium aurantiacum und Baumschule-Horstmann.de, Orangerotes Habichtskraut und Saatgut-Vielfalt.de, Orangerotes Habichtskraut und Bitterkraft.at, Habichtskraut und Rote-Liste-Zentrum.de, Orangerotes Habichtskraut
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